Eigentlich müsste ich nie wieder ein Interview geben. Jetzt ist alles gesagt. Naja, zumindest sehr viel. Knapp 70 Minuten lang stand ich Frau Grünkariert und Herrn Martinsen Rede und Antwort. In ihrem wunderbaren Eingeladen-Feature-Podcast sprechen wir über Blindheit, Inklusion, Brailleschrift, Mobilität, Vorurteile, meine Arbeit und mein Leben. Die Folge können Sie auf eingeladen-feature.de nachhören und kommentieren. Viel Vergnügen!
Schlagwort: BSVH
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Frühling, HSV und BSVH: Ein Wochenende voller Neustarts
Alles neu macht der Februar. Das war doch wirklich mal ein feines Wochenende.
In Hamburg liegt Frühling in der Luft. Vögel zwitschern. Die Sonne scheint immer kräftiger. Jacken und Schuhe werden leichter. Spaziergänge mit der bezaubernden Anna an unseren schönen Kanälen tun der Seele gut.
Gut tat auch der gestrige Sieg des Hamburger SV gegen Dortmund, zumal er wirklich überraschend kam. Der Neustart mit Trainer Mirko Slomka ist wahrlich geglückt, was im Übrigen zeigt, welch große Rolle die Psychologie im Fußball spielt. Waren die HSV-Spieler in den letzten Monaten unsicher, antriebsschwach und ohne jedes Selbstbewusstsein, reichten fünf Tage unter der optimistischen und engagierten Leitung Slomkas, um wieder konzentriert und begeisternd zu spielen. Und in so einer Stimmung gelingen dann sogar echte Meister-Tore.
Nicht nur beim HSV, auch beim BSVH, dem Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg, gab es einen kleinen Neustart. Während wir bei unseren Angeboten für Senioren bereits extrem gut aufgestellt sind, gibt es bisher nur wenige Angebote für jüngere Menschen in unserem Verein. Gestern sind wir hier einen kleinen, aber wichtigen Schritt gegangen und haben uns mit rund 20 Mitgliedern im Alter von Anfang 20 bis Mitte 40 zusammengesetzt und gemeinsame Aktivitäten geplant. Erste Ideen waren Showdown-Spielen, gemeinsame Theater-, Konzert-, Museums- oder Kneipenbesuche oder ein Wochenende in unserem AURA-Hotel.
Apropos, im AURA-Hotel in Timmendorfer Strand war ich am Freitag auch. Gemeinsam mit unseren Vorsitzenden, Angelika Antefuhr und Karsten Warnke, stand ich unseren tollen Mitarbeitern bei einer Teamsitzung Rede und Antwort. Und dass wir mit unserem Hotel für blinde und sehbehinderte Menschen ein absolut zeitgemäßes und wichtiges Angebot haben, zeigen die erfreulichen Auslastungszahlen. Bei knapp 69% lag die Auslastung in 2013 – das ist neuer Rekord. Wenn Sie mögen, schauen Sie sich doch auch einmal auf unserer AURA-Website um und empfehlen Sie unser Haus weiter.
Zwei angenehme dienstliche Termine, ein wichtiger Sieg der Lieblingsmannschaft, ein schöner Spaziergang – und zwischendurch noch eine Geburtstagsfeier in der besten aller Kneipen mit den besten Freunden aller Zeiten. So wie dies Wochenende war, kann es gern weiter gehen. Ihnen wünsche ich eine gute Woche mit vielen erfreulichen Neustarts!
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Fragwürdiges Happy End: Blindheit in Literatur und TV
Die Darstellung von Blindheit in Literatur, TV und medialer Berichterstattung bewegt sich zwischen Mitleid und Bewunderung. Und sie ist immer noch nicht frei von Stereotypen. Da sind die „Superblinden“, die auf keinerlei Hilfe angewiesen sind, deren verbleibende Sinne extrem geschärft sind, die überaus musikalisch und frei von jeder Oberflächlichkeit sind. Und auf der anderen Seite gibt es die hilflosen Blinden, die keinen Schritt allein gehen können, die ein Leben in absoluter Dunkelheit führen, die traurig und wütend sind und sich nach ihrem Sehen sehnen.
Oft wird die mit Blindheit verbundene Ausgangslage in Filmen, Serien und Büchern in einem Happy End aufgelöst. Ulrike Backofen vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg hat 266 Romane und Kurzgeschichten und 433 Spielfilme und Serien, in denen blinde Figuren auftauchen, systematisch nach Happy Ends durchforstet. Ihr spannendes Ergebnis können Sie in dem Artikel „Zwischen Mitleid und Happy End: Blindheit in Literatur und TV“ nachlesen, den Ulrike Backofen und ich verfasst haben. Der Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift „Horus“ (Heft 2/2013), die vom Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf und der Deutschen Blindenstudienanstalt herausgegeben wird.