Schlagwort: Blindheit

  • Umgang mit Blinden: Ratschläge via Google

    Sollte man den „Umgang mit blinden Menschen“ googeln können?“, fragt Christian Ohrens in seinem Blog. Meine Antwort ist ein eindeutiges Ja!

    Christian führt an, dass solche Anleitungen zu Pauschalisierungen führten und es immer blinde Menschen geben würde, auf die die gemachten Aussagen nicht zutreffen. Sein Fazit:

    Es gibt keine pauschale Lösung, kein Nonplusultra, wie man mit Menschen mit Handicap allgemein umgehen soll/kann, außer vielleicht, dass man keinen Unterschied machen sollte, ob der Andere z. B. nun blind ist oder nicht.

    So unterschiedlich wie Sehende

    Es stimmt, dass nicht alle blinden Menschen gleich ticken. Wir sind so unterschiedlich wie sehende Menschen auch. Und das bedeutet auch, dass wir uns unterschiedliche Dinge im Umgang mit Nichtbehinderten wünschen. Die meisten von uns freuen sich, wenn ihnen Hilfe angeboten wird, einige wenige sind davon genervt. Wenn ich mich von einem Sehenden führen lasse, dann halte ich mich an seinem Ellenbogen fest, Christian tut das nicht. Die allermeisten Blinden nutzen Begriffe wie „Fernsehen“ und „Anschauen“ ganz selbstverständlich, andere – häufig frisch von einer Erblindung Betroffene – werden traurig, wenn man diese Worte in ihrer Gegenwart benutzt. Aber kann man deswegen keine Aussagen zum Thema Umgang mit Behinderten treffen?

    Man sollte alles googeln können

    Doch man kann. Ich denke, dass man das als Mensch mit Handicap sogar tun sollte, dass die Selbsthilfe-Organisationen es tun sollten. Wer, wenn nicht wir selbst? Zwei Gründe sprechen dafür: Erstens gibt es ein offenkundig sehr großes Interesse bei vielen sehenden Menschen an dem Thema. Das zeigen die Suchbegriffe mit denen mein Blog via Google gefunden wird, persönliche Gespräche und Anfragen, die die Blinden- und Sehbehindertenvereine erhalten. Die Fragen unserer sehenden Mitmenschen sollten bei Google nicht unbeantwortet bleiben. Ein „Das kann man so allgemein nicht sagen“ allein ist dem nach einer Antwort Suchenden und auch mir nicht genug.

    Nur klare Forderungen ermöglichen Verbesserung

    Zweitens implizieren Antworten zum Thema Umgang mit Behinderten auch immer Wünsche und Forderungen an die eigene Community und an die Gesellschaft. Zugespitzt könnte man sagen, dass wir im Mittelalter von sehenden Menschen erwartet haben, dass sie uns Almosen geben. Vor rund 200 Jahren verlangten wir, dass man uns das Recht auf Bildung ermöglicht. Mit der Einführung des Weißen Stockes ging die Forderun einher, dass wir mobil sein wollen und uns von der nichtbehinderten Gesellschaft wünschten, dass die Rahmenbedingungen für mehr Selbstständigkeit geschaffen werden. Heute sind wir weiter. Selbstbewusst fordern wir unser Menschenrecht auf Teilhabe ein. Unter dem Stichwort Inklusion bündelt sich das Selbstverständnis, dass wir ein vollwertiger teil der Gesellschaft sind – oder besser: sein wollen.

    Utopie mit Leben füllen

    Leider ist Inklusion noch lang nicht Realität. Sie ist eine Utopie, die mit Leben gefüllt werden muss. Und um sie mit Leben füllen zu können, sollten wir uns nicht scheuen, Forderungen zu formulieren, Wünsche zu äußern, gemeinsame Stellungnahmen zu entwickeln. Das gilt für den Bereich der Behindertenpolitik, für den Abbau von Barrieren, aber auch für den alltäglichen Umgang zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen.

    Infos zum Umgang mit blinden und sehbehinderten Menschen gibt der Ratgeber „Nicht so – sondern so“ des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, den Sie als barrierefreies PDF herunterladen können.

  • Fernsehen als Blinder: Sound aufregender als im Hörspiel

    Blinde Menschen sehen fern. Christian Ohrens (26) beweist dies. Er studiert Medienwissenschaften an der Uni Hamburg. In einem Interview erklärt er mir, wie er als Blinder Filme analysiert, was er über die TV-Gewohnheiten blinder Jugendlicher herausgefunden hat und woher ein blinder DJ weiß, ob das Publikum tanzt.

    Heiko: Christian, Du forschst zum Thema Fernsehen und bist blind. Woher kommt Dein Interesse am TV?

    Christian: Das Interesse für Film und Fernsehen war schon immer da, nicht erst seit Studienbeginn. Ich bin in meiner Kindheit quasi mit allen damals vorhandenen Medien (Buch, Audiomedien, Fernsehen, Video, etc.) groß geworden. Meine Eltern haben mir, trotz meiner Blindheit, den Zugang zum Fernsehen und zu Filmen ermöglicht, sind mit mir ins Kino gegangen etc., auch wenn ich die Bilder ja nicht sehen konnte. Ich habe entweder viel alleine oder auch gemeinsam mit anderen (z. B. meinen Eltern) fern- oder Filme geschaut und so bin ich mit damaligen Kinderserien und –Filmen sowie dem „Familienprogramm“ dieser Zeit aufgewachsen, kenne viele Kinder-TV-Helden der 90er Jahre – was unter ebenfalls blinden Kindern, dies musste ich in meiner Schulzeit dann feststellen, bei Weitem nicht selbstverständlich war. Mich faszinierten bei Cartoons beispielsweise die Storys, Figuren, die Welten, in denen sie sich bewegten, aber auch Spielfilme und –Serien oder Shows zogen mich in ihren Bann, also alles das, was auch sehende Kinder unter Anderem vor die Glotze zieht, jedoch gab es noch einen weiteren Faktor. Ich musste schon damals feststellen, dass Film und Fernsehen soundtechnisch mehr aufregendes bieten konnte als manch damaliges Hörspiel. Natürlich habe ich Hörspiele gehört, keine Frage, und das nicht zu knapp. Doch konnten mich auch Filme und Fernsehserien früh begeistern und begeistern mich auch heute noch.

    Ich bin übrigens erst verhältnismäßig spät mit Audiodeskription in Berührung gekommen, was anfangs daran lag, dass ich über derartige Angebote schlichtweg nichts wusste ich aber auch später anfangs nichts davon wissen wollte. Die Vorstellung, dass jemand, wie der Erzähler beim Hörspiel, in die Geräuschkulissen und die Filmmusik reinquasselt war mir ein Gräuel. Ich mag z. B. auch sehr gerne Hörspiele, die von ihrer Aufmachung stark am filmischen Sounddesign angelehnt sind und zum Teil ohne Erzähler auskommen. Das lässt viel Spielraum für die eigene Fantasie und Interpretation und ist somit nichts anderes, als wenn man einen Film ohne Audiodeskription sieht.

    Heute nutze ich sowohl beides, Filme mit, als auch ohne Audiodeskription, da ich gemerkt habe, dass ein Hörfilm manchmal Dinge vermitteln kann, die auf der akustischen Ebene eher weniger oder überhaupt nicht greifbar sind. Jedoch sind die meisten Sendungen im Fernsehen und Filme, die ich mir anschaue, weiterhin ohne Audiodeskription, ich mache eine Filmauswahl auch nicht abhängig von solchen Faktoren, denn viele Filme und Serien sind viel zu schade, als dass ich auf sie verzichten müsste, bloß weil sie über keine Bildbeschreibung verfügen.

    Heiko: Welche Themen interessieren Dich in Deiner Forschung besonders?

    Christian: Das ist sehr vielfältig und ist schwer an ein bestimmtes Interessensgebiet festzumachen. Zum einen wäre da das oben bereits erwähnte Sounddesign eines Films, welches in der Medienwissenschaft sehr oft nur in Verbindung mit dem Bild analysiert wird, jedoch bei einem genaueren Blick sehr viel vielschichtiger und aussagekräftiger sein kann.

    Das zweite große Thema ist die mediale Vermittlung von Menschenbildern, so z. B. die Verwendung von gängigen Klischees und Stereotypen in TV-Sendungen und was diese beim Zuschauer auslösen oder bewirken können. Jeder kennt das Beispiel des Blinden, welcher in einer Filmszene eine andere Person abtastet. Oder wer erinnert sich nicht an den „Wetten, dass…“ –Auftritt, bei dem ein Teilnehmer vorgab, Farben fühlen zu können. Wer noch nie mit einem Blinden zu tun hatte könnte jetzt denken, dass beide Situationen – auch wenn die erste nur fiktiv, d. h. für den Film erfunden ist -,, dass blinde Menschen so handeln. Dass ist nur ein kleines Beispiel unter vielen.

    Dann wären da noch die Themen Nutzungsforschung und Programmanalyse – Ersterem habe ich mich ja in meiner Bachelor-Studie zugewandt, letzterem Thema widme ich mich derzeit in einem Forschungsprojekt, bei dem es, grob umrissen, um die Veränderungen im Kinderfernsehen in den letzten zwanzig Jahren geht.

    Heiko: Viele Menschen können sich nur schwer vorstellen, wie man als Blinder Filme analysiert. Erzähl mal: Wie arbeitest Du konkret?

    Christian: Die Basics zur Filmanalyse, also Grundkenntnisse über Erzählstrukturen, Kameraeinstellungen, Wirkung von Filmmusik etc., werden ja während der Seminare, die ich besucht habe bzw. besuche, vermittelt und anhand derer hangelt man sich dann entlang. Generell ist es so, dass mir die Filme, die wir uns innerhalb eines Seminars an der Uni anschauen, von einem Kommilitonen beschrieben werden. Diese Beschreibung geht jedoch oftmals weit über die rudimentären Audiodeskriptionen hinaus. Sie erfolgt synchron zur Filmhandlung, d. h. die Handlung am Bildschirm wird sofort und nicht erst in einer Dialogpause beschrieben und ist somit zwangsläufig genauer, da derjenige, der den Film beschreibt, nicht auf eine kurze Dialogpause im Film angewiesen ist. Neben der direkten Filmhandlung werden natürlich auch die Einstellungen und Perspektiven der Kamera beschrieben.

    Es ist klar, dass ich nur schwer einen Film anhand der visuellen Ausgestaltung analysieren kann. Aber meistens wird die Analyse im Rahmen eines Referats im Seminar eh auf mehrere Teilnehmer aufgeteilt, d. h. ich kann einen Bereich auswählen, den ich dann analysiere. Das kann beispielsweise die Erzählstruktur sein, also Erzählperspektive, Personen, Ebenenwechsel wie z. B. in „Existence“, wo die Figuren in ein Computerspiel eintauchen etc. Hier spielen natürlich Dinge wie die visuellen Effekte und Kameraeinstellungen eine große Rolle, aber hier hilft es, wenn ich mir noch mal die zu analysierenden Szenen genau beschreiben lasse. Aber auch Dinge wie Sounddesign, Dialoge u. v. m. können Teil einer Filmanalyse sein.

    Heiko: Du hast Dich unter Anderem mit den TV-Gewohnheiten blinder Kinder auseinandergesetzt. Was waren die zentralen Erkenntnisse Deiner Forschung?

    Christian: Auch blinde Kinder und Jugendliche schauen fern und das in einem größeren Umfang, als der Sehende es vielleicht vermuten mag. Nicht nur für sehende Jugendliche ist Fernsehen Leitmedium, auch blinde junge Menschen schauen Soaps, Castingshows, Serien, Spielfilme, Nachrichten etc. Einziger Unterschied besteht in der Sendungsauswahl und der zeitlichen Zuwendung. Beides ist bei blinden Zuschauern ein wenig anders gelagert. Die Zeit, die blinde Zuschauer vor dem Fernsehen verbringen ist geringer als bei Sehenden. Bei der Sendungsauswahl wird hier mehr auf wortlastige Formate zurückgegriffen. Das Fernsehen ist auch bei blinden Jugendlichen Gesprächsthema, wobei sich einige Befragte auch mehr Austausch wünschen würden. Es dient primär zur Entspannung, bei der Informationsbeschaffung werden andere Medien bevorzugt.

    Heiko: Oft tun sich Menschen im Gespräch mit uns Blinden schwer, das Wort Sehen in den Mund zu nehmen. Was antwortest Du denen?

    Christian: Das Wort Sehen ist bereits durch so viele Begriffe in unsere Sprache integriert, dass es oftmals schwer ist, eine Alternative für ein Wort oder einen Ausdruck zu finden. Denn wenn man alle Wörter und Phrasen, die das Wort „Sehen“ beinhalten, umschreiben und durch andere Ausdrücke ersetzen würde, so würde eine eigene „Blindensprache“ entstehen und das ist ja am wenigsten sinnvoll. Denn wir Blinde benutzen die Ausdrücke ja auch. Aber viele sind ja vorsichtig, weil sie Angst haben, mit dem, was sie sagen, jemanden zu „verletzen“. Aber gesetz dem Fall, dass ein Blinder nicht mit seiner Blindheit umgehen kann und mit einem Ausdruck, welcher das Wort „Sehen“ beinhaltet, so seine Schwierigkeiten hat, so ist das ja nicht das Problem des Sehenden.

    Heiko: Dein Leben besteht nicht nur aus der Uni. Du arbeitest als DJ. Wo kann man Dich hören und was legst Du auf?

    Christian: Ich arbeite ja seit elf Jahren schon bei Lokalradios, zuerst in Marburg, seit 2005 ja hier in Hamburg. Auf TIDE 96.0 bin ich jeden Freitag ab 23:00 Uhr sowie auf einem kleinen berliner Internetradio (www.tm-productionradio.de) mit einer eigenen Sendung on Air, bei der ich Musik aus den verschiedensten Genres der elektronischen Musik spiele, Bands vorstelle und interviewe, über Konzerte berichte etc.

    Zudem bin ich als DJ unterwegs und bin regelmäßig im Imoto, einer kleinen Bar in Ottensen alle zwei Wochen Mittwochs. Dort gibt es dann auch elektronische Musik auf die Ohren.

    Heiko: Und noch eine Blinden-Frage: Kriegst Du eigentlich mit, wie Deine Musik im Club ankommt? Schließlich siehst Du ja nicht, wie viele Besucher zu den Sounds tanzen.

    Christian: Niemand schweigt, wenn er – vor allem mit mehreren anderen – eine Bar oder einen Club besucht. Man hört ja, ob die Stimmen sich bewegen etc. Natürlich bin ich auch auf Feedback angewiesen, aber so lange niemand etwas verlauten lässt gehe ich immer davon aus, dass alles in Ordnung ist. Dies verschafft mir natürlich einen gewissen Spielraum für Experimente. Denn ich glaube, wenn ich sehen würde, wie die Leute sich zu bestimmten Titeln bewegen, würde ich vielleicht nur auf ähnliche Titel zurückgreifen und dafür Anderes, das aber stilistisch auch gut ins Set passen würde, gar nicht erst auflegen.

    Heiko: Kann man Dich buchen?

    Christian: Ja, das kann man, für Partys jeglicher Art. Und hier beschränkt sich die Musik nicht nur auf Electro und Ähnliches. Dies ist mein persönliches Steckenpferd, was aber nicht bedeutet, dass ich nicht in der Lage bin, auch andere Styles aufzulegen. Von 80s bis aktuell ist alles drin, wenn es gefordert wird auch Schlager oder, wer es ganz ausgefallen mag, auch z. B. Gothic.

    Heiko: Werfen wir noch einen Blick in Deine Zukunft: Wie geht’s weiter mit Uni und dem DJ-Dasein?

    Christian: Im Winter diesen Jahres werde ich meine Masterarbeit schreiben und abgeben, sodass ich im Februar 2012 mit der mündlichen Prüfung mein Masterstudium abgeschlossen habe. Tja, und dann? Ich habe gemerkt, dass mir Forschung sehr viel Spaß macht und werde natürlich versuchen, in diese Richtung irgendwo was passendes zu finden. Und wenn das nicht klappt, so könnte ich mir auch vorstellen, im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu arbeiten. Mein ursprüngliches Ziel, einmal zum Radio zu gehen und dort irgendwas im Musikbereich zu machen, habe ich größtenteils aufgegeben, denn ich habe während des Studiums festgestellt, wie Radio wirklich gemacht wird, vor allem der „Dudelfunk“ und das ist nichts, was mich wirklich anspricht. Da bleib ich lieber bei lokalen Kanälen. Da hat man zwar weniger Hörer, kann dafür aber seine Sendungen nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten.

    Aber wer weiß schon, wo er einmal landen wird? Viele mögen diese Einstellung als ziellos abwerten. Aber es gibt so viele, die blindlinks auf ein einziges Ziel zusteuern, ohne die Abzweigungen am Wegesrand zu sehen.

    Weiterführende Links

    Christian on Air

  • Bürgerschaftswahl: Für ein Hamburg ohne Barrieren (Teil 2)

    Am 20. Februar wählen die Hamburgerinnen und Hamburger eine neue Bürgerschaft. Blinde und sehbehinderte Menschen haben Fragen an die Parteien, die im Wahlkampf leicht untergehen. Wir vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) haben daher zehn Wahlprüfsteine aufgestellt. Im Folgenden versuche ich die Kernaussagen der Parteien zusammenzustellen – heute die Fragen sechs bis zehn (den ersten Teil finden Sie hier):

    6. Werden Sie sich dafür starkmachen, dass der NDR sein Hörfilm-Angebot verbindlich ausbauen muss?

    • CDU: Die Ministerpräsidenten der Länder haben sich darauf geeinigt, dass finanziell leistungsfähige Menschen mit Behinderungen einen ermäßigten Beitrag zu entrichten haben. Mit diesem Geld soll die Finanzierung barrierefreier Angebote erleichtert werden.
    • SPD: Wir wollen den Anteil der barrierefreien und z.B. mit Audiodeskription und Untertiteln versehenen Sendungen weiter im öffentlich-rechtlichen Fernsehen steigern. Dafür soll künftig ein angemessener Betrag der Rundfunkgebühren verwendet werden.
    • GAL: Das barrierefreie Angebot im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist tatsächlich beschämend gering. Deswegen werden wir uns auch in der nächsten Wahlperiode dafür einsetzen, dass dieses Angebot deutlich ausgebaut wird. Entsprechende Anpassungen der jeweiligen Vereinbarungen sind notwendig, werden aber nicht vom Parlament, sondern von den Landesregierungen verhandelt.
    • Linke: Die LINKE wird sich dafür stark machen, dass Hörfilmfassungen und Hörfilme zum Standardangebot des NDR gehören müssen, aber auch generell das barrierefreie Angebot rasch weiter ausgebaut wird. Sollten hierzu noch Vertragsanpassungen erforderlich sein, wird sich die LINKE hierfür einsetzen.
    • FDP: Die FDP Bundestagsfraktion nimmt diese Problematik sehr ernst und hat die Rundfunkanstalten bereits zum verstärkten Ausbau barrierefreier Angebote angehalten. Bislang sind die Pläne von ARD und ZDF längst nicht ausreichend.

    7. Bekennen Sie sich zum vollständigen Erhalt des Landesblindengeldes in Hamburg?

    • CDU: Veränderungen der Regelungen zum Blindengeld sind nicht geplant, aber auch keine Ausweitung auf sehbehinderte Menschen.
    • SPD: Eine Änderung des Landesblindengeldes ist derzeit nicht geplant. Da wir derzeit nicht sagen können, wie ein neuer Haushalt aussieht, wäre es zum jetzigen Zeitpunkt unseriös, Aussagen zu machen, die später nicht eingehalten werden können.
    • GAL: Die GAL hat sich für den Fortbestand des Blindengeldes im Koalitionsvertrag mit der CDU, wie auch bei der letzten Sparrunde massiv eingesetzt. Außerdem wurde das Blindengeld in Hamburg nicht gekürzt, sonder sogar noch auf unsere Initiative hin an die Rentenentwicklung gekoppelt. Dieses wollen wir auch zukünftig beibehalten.
    • Linke: Die LINKE tritt dafür ein, das bisherige Landesblindengeld nicht nur zu erhalten und automatisch an die Entwicklung der Lebenshaltungskosten anzupassen, sondern es auch um ein Sehbehindertengeld zu erweitern, wie dies bereits in anderen Bundesländern geschehen ist.
    • FDP: Die FDP Hamburg erkennt die schwierige Situation der sehbehinderten Menschen und tritt für die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft ein, die unterstützt werden muss. Mit der Frage der Maßnahmen zur Unterstützung der Teilhabe wird sich die FDP im Fall des Einzugs in die Bürgerschaft intensiv befassen.

    8. Was werden Sie nach der Wahl tun, um die Versorgung mit Hilfsmitteln und Rehabilitationsangeboten für sehbehinderte und blinde Menschen zu verbessern?

    • CDU: Der Leistungskatalog der Hilfsmittel und Rehabilitationsmaßnahmen der Krankenkassen wird nicht einseitig von der Politik vorgegeben. Es ist gemeinsame Verantwortung von Politik, Verbänden, Krankenkassen und Betroffenen, auf die entsprechenden Verhandlungen einzuwirken.
    • SPD: Wenn wir in Regierungsverantwortung stehen, wollen wir uns insbesondere mit Hinblick auf sehbehinderte Seniorinnen und Senioren auf der Bundesebene dafür einsetzen, die Gesetzespraxis zu evaluieren und die Position der Betroffenen ggf. durch einen schnellen und effektiven Rechtsschutz zu stärken.
    • GAL: Die Betroffenen brauchen im Konfliktfall konkrete Unterstützung, deswegen wollen wir die Beratungsleistungen für Menschen mit Behinderungen verbessern, die unabhängige Sozialberatung in Hamburg stärken und die Öffentliche Rechtsauskunft ÖRA personell ausbauen.
    • Linke: Leistungen zur medizinischen Rehabilitation kommen grundsätzlich auch als Leistungen der Sozialhilfe nach dem SGB XII in Betracht. Hier besteht die Möglichkeit, auf eine verstärkte vorläufige Bewilligung von medizinischen Reha-Leistungen an neu von einer Sehbehinderung betroffene Senioren zu sorgen, bis eine nachträgliche Kostenübernahme durch die Krankenkasse erreicht werden kann. Hierfür wird sich die LINKE in der nächsten Wahlperiode parlamentarisch einsetzen.
    • FDP: In erster Linie kann dies nur bundespolitisch geregelt werden und fällt primär in die Zuständigkeit der Ärzte und Krankenkassen, die darüber entscheiden müssten.

    9. Was werden Sie nach der Wahl für die berufliche Eingliederung blinder und sehbehinderter Menschen tun?

    • CDU: Wir werden die Arbeitgeber weiterhin auf die Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung durch das Integrationsamt hinweisen. Zudem werden wir weiter diverse Integrationsfachdienste finanzieren, die mit spezifischen fachlichen Schwerpunkten die Arbeitgeber zu den Rechten und Pflichten zum SGB IX beraten. Generell muss aber auch der langfristige Minderleistungsausgleich eingeführt werden, damit Inklusion auch im regulären Arbeitsmarkt gelingen kann.
    • SPD: Hier müssen gemeinsam mit engagierten Unternehmen und den Kammern neue Wege beschritten werden. Leider schränken die drastischen Sparvorgaben des Bundes und die Verpflichtungen, die der jetzige Senat noch kurz vor der Wahl eingeht, den Gestaltungsspielraum in der Hamburger Arbeitsmarktpolitik für die nächsten Jahre erheblich ein. Wir stehen dafür ein, dass in der öffentlichen Verwaltung die Schwerbehindertenquote von 5% mindestens eingehalten wird.
    • GAL: Wir wollen, dass individuell und dauerhaft gefördert wird und jede und jeder selbst entscheiden kann, in welcher Form sie/er teilhaben möchte. Dies kann eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, in einer Integrationsfirma oder aber bei Bedarf im geschützten Arbeitsmarkt sein.
    • Linke: Die LINKE wird sich dafür einsetzen, dass nicht nur mehr sehbehinderte und blinde, sondern allgemein mehr schwerbehinderte Menschen bei der Freien und Hansestadt eingestellt werden. Es stellt sich vorrangig die Frage, warum das Job-Center team.arbeit.hamburg nicht zunächst einmal mit anderen Programmen versucht, es Arbeitgebern in Hamburg attraktiv zu machen, schwerbehinderte Menschen mit Unterstützung einzustellen.
    • FDP: Eine verstärkte Integration von Menschen mit Behinderung in den 1. Arbeitsmarkt soll durch intensive Kooperation der Werkstätten mit Unternehmen geschehen. Durch verstärkte Nutzung des Persönliche Budgets, verbunden mit einer Arbeitsassistenz, kann die Ausbildungssuche optimiert werden.

    10. Was werden Sie nach der Wahl für das Erreichen des Zieles der Inklusion an den Hamburger Schulen tun?

    • CDU: Die Eltern von behinderten, schulpflichtigen Kindern haben seit dem Schuljahr 2010/11 ein Wahlrecht, ob ihre behinderten Kinder am gemeinsamen Schulleben einer allgemeinen Schule teilnehmen oder auf Wunsch eine Sonderschule besuchen. Da es sich ausdrücklich um ein Wahlrecht handelt, haben die Eltern auch weiterhin einen Anspruch, ihre Kinder bei Bedarf auf eine Sonderschule zu schicken. Dennoch wird die schrittweise Entwicklung der Inklusion mehr Zeit, Sorgfalt aber auch Ressourcen benötigen, als dies zuletzt der Fall war. Dafür setzt sich die CDU ein.
    • SPD: Wir werden allen Kindern mit Behinderungen oder Förderbedarf, deren Eltern das wollen, den Besuch der allgemeinen Schulen ermöglichen. Dazu sollen nach dem Vorbild der seit Jahren erfolgreichen „Integrationsklassen“ und der „integrativen Regelklassen“ weitere Angebote geschaffen werden und deutlich mehr Sonderschulpädagogen an den allgemeinen Schulen unterrichten. Die bisherigen Sonder- und Förderschulen werden wir zu Kompetenzzentren für Sonder- und Förderpädagogik weiterentwickeln.
    • GAL: Es muss gewährleistet sein, dass sehbehinderte und blinde Schülerinnen und Schüler an Regelschulen optimal mit Lehrmaterialien versorgt werden. Gleichzeitig muss gewährleistet werden, dass neben den Lehrinhalten auch die blinden- und sehbehindertenspezifischen Arbeitstechniken vermittelt werden. Das gilt insbesondere für das Erlernen der Braille-Schrift.
    • Linke: Die LINKE fordert einen flächendeckenden Ausbau der Grund- und Stadtteilschulen zu echten inklusiven Ganztagsschulen. Bereits mit „zeitweilig gesonderten Lerngruppen“ bestünde aus Sicht der LINKEN die große Gefahr, dass so genannte Nebenklassen wieder entstehen könnten mit eigenem Bildungsgang und entsprechendem eigenen Abschluss. Die LINKE fordert, dass alle Schülerinnen und Schüler grundsätzlich in integrative Regelklassen aufgenommen werden müssen.
    • FDP: Wir fordern zur Umsetzung der Inklusion die Ausstattung der betroffenen Schulen mit ausreichend sozialpädagogischen Fachkräften. Selbstverständlich müssen die sehbehinderten und blinden Schüler mit ausreichend spezifischen Lernmaterial versorgt werden. Die FDP möchte den Eltern überlassen, ob sie ihre betroffenen Kinder in den noch bestehenden Sonderschulen oder in einer Regelschule anmelden möchten.

    Die vollständigen Fragenund Antworten finden Sie auf der Homepage des BSVH.

    Und welche Partei sollten blinde und sehbehinderte Menschen nun wählen? Was meinen Sie?

  • Facebook: Mehr Wissen gefällt mir

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