„Verzückte Poeten haben mir vorgesungen, die Sprache sei arm, ach, sie sei arm – o nein, mein Herr! Die Sprache dünkt mich, ist reich, ist überschwenglich reich im Vergleich mit der Dürftigkeit und Begrenztheit des Lebens. Der Schmerz hat seine Grenzen: der körperliche in der Ohnmacht, der seelische im Stumpfsinn, – es ist mit dem Glück nicht anders. Das menschliche Mitteilungsbedürfnis aber hat sich Laute erfunden, die über diese Grenzen hinweglügen.“
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Bilder zum Fühlen
Das liest man selten auf einer Bilder-Ausstellung: „Berühren ausdrücklich erwünscht“. Armelle Geydet malt Bilder für Augen und Finger – und sogar für die Ohren. Als ich erstmals von Geydets Kunst hörte, war ich überrascht. Was soll man denn bei gemalten Bildern ertasten können? Skulpturen, Reliefs, all das ertaste ich gern – und selbst das ist in den meisten Museen streng verboten. Aber irgendetwas wird sich die Künstlerin dabei gedacht haben. Originell jedenfalls ist ihr Angebot. Vielleicht ergibt sich aus ihm ja ein Ausflug für unsere blinden und sehbehinderten Vereinsmitglieder. Also fuhr ich zusammen mit einer sehenden Kollegin ins Kinderkrankenhaus nach Altona, wo zurzeit einige Werke Geydets ausgestellt sind. Zunächst ertastete ich das Bild, und erst dann ließ ich mir den virtuellen Eindruck von meiner Kollegin beschreiben. Und es war spannend, wie häufig unsere Eindrücke sich ähnelten. „Dieser Bereich fühlt sich sandig an“, sagte ich. „Er sieht auch so aus“, antwortete sie. Bei einem anderen Bild: „Wenn ich meine Hände hierüber gleiten lasse, machen sie automatisch Wellen-Bewegungen.“ „Es ist blau und sieht nach Meer aus.“ Geydet malt mit acryl-Farbe, die sie für ihre abstrakten Bilder verwendet. Sie schafft dabei nicht nur optisch wirkungsvolle Kunst, sondern – ich frage mich, ob von vornherein beabsichtigt oder rein zufällig – Relief-Landschaften, mal mit rauhen, scharf-kantigen Felsen, mal weich und beinah klebrig, mal rund und glatt. Würfel und Kreuze sind immer wieder zu ertasten, die entweder massiv, mit groben Rändern im Zentrum des Bildes stehen oder über den Rand hinaus flüchten. Und ganz nebenbei entdeckte ich, dass sich die Farben auch noch unterschiedlich anhörten. Strich ich mit meinen Händen über den hellen Teil des Bildes entstand ein zartes Rauschen, glitt ich über den dunklen Teil, klang es verkratzt und nach Stein. Das war endlich mal eine Kunst-Ausstellung nach meinem Geschmack.
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Wenn es dunkel wird
Wie ist es, wenn man erblindet? Diese Frage stellte mir Ralf Nehmzow vom Hamburger Abendblatt. Seine Reportage finden Sie hier.
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Rob, die Eier-Uhr
Es gibt erstaunliche Geschäfte, vor Allem in London. Octopus ist eines von ihnen. Nach unserem Justiz-Walk war Covent Garden nur zehn Gehminuten entfernt. Im Herzen der Stadt unterhalten Kleinkünstler und Musiker das Publikum open Air oder in den Markthallen. Die Gegend bietet Restaurants für jeden Gaumen. Vor Allem aber kann sich der moderne Mensch, insbesondere der weibliche Teil dieser Spezies, hier in den Wahnsinn shoppen. Ein Highlight – für Frau und Mann: das bunte, verrückte, originelle Octopus-Angebot. Hier gibt es alles, was man im Alltag benötigt, Handtaschen, Uhren, Portemonaies. Der Unterschied zu gewöhnlichen Gift-Shops: hier sehen die Handtaschen wie Gießkannen aus, aus der Kuckucksuhr schnellt eine Kuh und aus der Geldbörse kommt einem eine Zunge entgegen. Alles ist quietschbunt, aus ungewohntem Material und durch die Bank sehr humorvoll. Ich freu mich schon drauf, demnächst in Rheinhold Messbechers Küche zu speisen. Denn dann wird Robert, der Piraten-Roboter, mit Samba-Rhythmen verkünden, dass das Essen fertig ist – Robert ist ein Küchentimer. Und gern wäre ich dabei, wenn die Frau meiner Träume ihr neuestes Schmuckstück erstmals auf einer Party ausführt. An ihrem schönen Hals wird dann ein Puppen-Auge ständig auf- und zuschwingen. Eigentlich müsste man schon allein des Einkaufens wegen alle drei Monate London besuchen. Mein letzter Besuch war das jedenfalls nicht.