Würdiges Gedenken

Der Louis-Braille-Platz nimmt Gestalt an. Am 4. Januar wird eingeweiht. An diesem Tag wird sich der Geburtstag des Blindenschrift-Erfinders zum 200 Mal jähren. Um 11.00 Uhr gibt es eine Feier auf dem Bahnhofsvorplatz Hamburger Straße. Dabei wird Kultur-Senatorin Karin von Welck eine Rede halten. Wir werden Blindenschrift lesen. Eine Gedenktafel wird aufgestellt – leider nicht am Bahnhofsgebäude. Die Hochbahn hat nicht eingewilligt, die Gedenktafel dort anbringen zu dürfen. Verunstaltet das Gedenken an einen Mann, der Millionen von blinden Menschen Bildung und einen Zugang zur Literatur und zu Informationen ermöglicht hat, ein U-Bahn-Gebäude? Anscheinend. Erstmals erhält ein Straßenschild in Hamburg eine zusätzliche Erläuterungstafel in Blindenschrift. In sehr konstruktiver Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Nord konnte dies verwirklicht werden. Ich freue mich persönlich sehr über die Würdigung Brailles durch Hamburgs Politik. Schließlich ging die Initiative für die Umbenennung von unserem Verein aus. Der Platz ist in unmittelbarer Nähe zum Louis-Braille-Center, dem Dienstleistungszentrum des BSVH. Jeder, der es zukünftig per Bahn oder Bus ansteuert, wird über den Louis-Braille-Platz gehen. Hinzu kommen die Besucher des Einkaufszentrums Hamburger Straße, in dem sich neben Geschäften zum beispiel auch die Schulbehörde befindet. Hamburg gedenkt einem großen Mann, würdig und an sehr passender Stelle.. Danke an alle, die zu diesem Erfolg beigetragen haben, insbesondere an die FDP im Bezirk Nord, die Mitarbeiter des Bezirksamtes Hamburg-Nord und an Senatorin von Welck!

Das spricht für sich selbst

Am Samstag, 15. November 2008, bietet die Messe „Trends und Technik für Zuhause“ Hilfsmittel. Zwischen 10 und 17 Uhr können sich die Hamburgerinnen und Hamburger im Louis-Braille-Center, im Holsteinischen Kamp 26, informieren. Über 20 Aussteller aus ganz Deutschland präsentieren Hilfsmittel für Haushalt, Hobby, Gesundheit und Freizeit. Das Besondere: alle Produkte sind für blinde und sehbehinderte Menschen geeignet.

Die Produkte sprechen häufig für sich selbst. Ein Beispiel: Gaudio-Braille präsentiert einen sprechenden Ipod. Eine gut verständliche Stimme liest Menüs und Titel-Infos vor und macht somit Blinden und Sehbehinderten den Gebrauch möglich. Der sprechende Ipod steht für den Gedanken, den alle Aussteller am Samstag teilen. Alle Produkte ermöglichen es Menschen, deren Augenlicht nachlässt, wieder am Leben teilzunehmen, selbstständig und zuversichtlich.

„Trends und Technik für Zuhause“ wendet sich nicht nur an blinde und sehbehinderte Menschen, sondern gerade auch an deren Angehörige. Es besteht am Samstag die Möglichkeit, vor Ort einzukaufen. So können z. B. Weihnachtsgeschenke für die Eltern oder Großeltern, die an Makula-Degeneration oder Grünem Star erkrankt sind, gekauft werden. vielleicht ist ja die geeignete sprechende Uhr, ein sprechendes Blutzucker-Messgerät oder ein sehbehindertengerechtes Brettspiel für Sie dabei. Vorbeischauen kostet nichts, kann Ihren Angehörigen aber helfen.

Selbstverständlich behindert

Barack Obama in seiner Siegesrede: „Hallo, Chicago. Wenn es da draußen irgendjemand gibt, der noch zweifelt, dass Amerika ein Ort ist, wo alles möglich ist, der sich noch fragt, ob der Traum unserer Gründer heute lebendig ist, der Fragen zur Kraft unserer Demokratie aufwirft, hat heute eine Antwort bekommen. Es ist die Antwort, die von den Warteschlangen vor Schulen und Kirchen gegeben wird, in Zahlen, die diese Nation nie gesehen hat, von Leuten, die drei Stunden und vier Stunden gewartet
haben, viele zum ersten Mal in ihrem Leben, weil sie glaubten, dass es dieses Mal anders sein muss, dass ihre Stimmen diesen Unterschied ausmachen können. Es ist die Antwort, die von Jungen und Alten gegeben wird, von Reichen und Armen, Demokraten und Republikanern, Schwarzen, Weißen, Hispanics, Asiaten, Indianern, Schwulen und Heterosexuellen, Behinderten und Nichtbehinderten. Von Amerikanern, die der Welt eine Botschaft geschickt haben, dass wir keineswegs nur eine Ansammlung von Einzelmenschen oder eine Kollektion von roten und blauen Staaten sind. Wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika und werden das immer sein.“ (nach: diepresse.com)

Wann wird endlich ein deutscher Bundeskanzler oder -Präsident so selbstverständlich das Wort „Behinderte“ in einer bedeutenden Rede benutzen?

Eine andere Liga

Er hat es geschafft. Barack Obama wird Präsident – und die ganze Welt freut sich. Welche Hoffnungen Obama erfüllen wird, das bleibt offen. Und sicher wird auf Euphorie irgendwann Desillusionierung folgen. Nichtsdestotrotz hat Amerika beeindruckend gezeigt, dass es eine funktionierende Demokratie ist und das es in den USA nicht nur christlichen Fundamentalismus und Marktradikalismus gibt. Ich hoffe, dass diese Erkenntnis in Europa nicht so schnell wieder vergessen wird. Antiamerikanismus ist plump und dumm. Und doch wird er früher oder später wieder aufflammen, wenn Obama international amerikanische Interessen vertritt. Und das wird er tun, das verlangt sein neues Amt, undzwar zurecht. Er wird es charmanter tun als Bush. Politischer Stil ist nicht unerheblich für die Wirkung in der Gesellschaft. In Sachen Stil verkörpert Obama den besonnenen, aber notwendigen Wandel. Gut denkbar, dass er die USA ökonomisch und militärisch stärken wird. Das wird für Europa nicht immer einfach sein.

Und Obama hat neue Maßstäbe an Politik-Performance gesetzt. Man denke nur an seine großartigen, perfekten Reden, das bewegende Timbre in seiner Stimme, seine empathische Wortwahl. Und vom PR-Standpunkt aus waren seine Wahlwerbespots berauschend. Der 30-Minuten-Spot zur Primetime war einzigartig. Stefan Niggemeier spricht zurecht von der Mutter aller Wahlwerbespots.

Aber gut, medial sind uns die Vereinigten Staaten ohnedies weit überlegen. Wer heute Nacht gezappt hat, konnte bei CNN Wahlbericht-Erstattung sehen, die spannend und professionell war wie Sport-Berichte, ohne dabei niveaulos zu sein. Im Ersten dagegen konnte man Monika Lierhaus im inhaltsleeren Plausch mit Tom Buhrow sehen, der sich nostalgisch seiner Highschoolzeit im Wisconsin der späten 70er Jahre erinnerte und riet, ein Land nie nach dessen Regierung zu beurteilen. Schließlich hätten wir Deutschen ja in den 30ern auch eine merkwürdige Regierung gehabt. – hm, hatten wir diese nicht mehrheitlich gewählt? – Und das ZDF brachte passend zu Tageszeit konsequent Programm zum Einschlafen. Vielleicht mögen ja unsere Politiker und TV-Schaffenden auch einmal von Amerika und Obama lernen. Zumindest unterhaltsamer wären Wahlen und Medien dann.