Die Buddenbrooks sind ein deutscher Mythos. Thomas Manns Familiensaga ist ja auch wirklich ein Meisterwerk. Die Verfilmung von Heinrich Breloer ist aber reichlich unspektakulär. Gelecktes und kitschiges Prunkkino, ohne Gefühl und Humor. Das kann man doch mit dem grandiosen Ironiker Mann nicht machen. Selbst der Geck und erste Ehemann von Tochter Toni, Grünlich, ist nicht witzig gespielt. Statt mit einem Schmunzeln auf die Komik in der Tragik zu blicken, dominiert betonte Ernsthaftigkeit. Untermalt wird das Stelldichein der deutschen Filmprominenz – Armin Müller-Stahl, Jessica Schwarz, August Diehl u. A. – mit beinah durchgehender Filmmusik – und selbst die ist langweilig. Das Einzige, was gelingt, ist, dass die Zeitlosigkeit des Stoffes deutlich wird: Angst vor wirtschaftlichem Abschwung, finanziellem Verlust und unerfüllte Liebe sind bis und gerade heute aktuell. John von Düffels Theater-Adaption der Buddenbrooks machte dies allerdings auch deutlich, undzwar mit sehr viel mehr Witz. Von Düffel gelang es sogar, den Mann’schen Stoff neu zu beleuchten. Davon ist bei Breloer kaum etwas zu merken, denn vor lauter Kitsch und schönen Menschen ist an Reflektieren kaum zu denken. Die zweieinhalb Stunden sind dennoch schnell herum, denn der Film ist durch und durch professionell produziert – aber leider nur das.
Autor: Heiko Kunert
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Ein Auftakt nach Maß
Das Jubiläumsjahr hat begonnen. Am 4. Januar feierten blinde und sehbehinderte Menschen weltweit den 200. Geburtstag Louis Brailles. Die rund 3000 blinden und über 40.000 sehbehinderten Hamburgerinnen und Hamburger hatten noch einen Grund zum Feiern: der BSVH wurde gestern 100 Jahre alt. Diese zwei Gründe zum Feiern haben wir erfolgreich gewürdigt. Um 15.00 weihte Kultursenatorin von Welck den Louis-braille-Platz ein. Über 100 Menschen besuchten trotz Regen und Kälte den vorplatz der U-Bahn Hamburger Straße. Neben Frau von Welck würdigten der französische Konsul Tutin und der zweite Vorsitzende des BSVH Kißler die Leistung Brailles.
Im benachbarten Louis-Braille-Center, dem Dienstleistungszentrum des BSVH, feierten 350 Menschen das Vereinsjubiläum. Das kabarettistische Urgestein Hans Scheibner trat dort ebenso auf wie der Sänger Jochen Wiegandt, dessen plattdeutsche und hanseatische Volkslieder und Geschichten überraschend zeitlos daher kommen. Die Mitarbeiter und Helfer können stolz sein. Eine infrastrukturelle Meisterleistung ist geglückt. Der Partyservice Giffey verstand es großartig, unsere blinden und sehbehinderten Besucher zu bedienen – unaufdringlich und effektiv. Ein echter Hingucker war die Riesentorte, auf der in Blinden- und Schwarzschrift stand: „200 Jahre Louis Braille – 100 Jahre BSVH) und auf der leckere Hände die Punktschrift lasen. Das fand auch das Hamburg-Journal, das die Torte in der sonntagsausgabe zeigte.
Überhaupt war das Medien-Echo erfreulich: Welt, Abendblatt, Mopo, Kobinet und die TAZ berichteten (letztere sogar zweifach). Die ausführlichste Information bot NDR 90,3 mit einer Live-Schaltung, mit Kurzberichten in den Nachrichten und einer lebendigen Reportage am Montagmorgen. Ich danke allen Journalistinnen und Journalisten für die Zusammenarbeit.
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Ein gutes Ende
Zwischen Weihnachtsgans und Süßigkeiten-Bergen einerseits und dem arbeitsreichen Start ins Jubiläumsjahr 2009 andererseits wollte ich nochmal raus. Ab ging es nach Berlin und Brandenburg: Theater, Hauptstadttrubel und Frischluft standen an.
Die bezaubernde Anna und ich schauten uns die Möwe von Anton Tschechow in der Volksbühne an. Ich kannte das Stück nicht, mein Fable für russische Autoren ließ mich aber optimistisch in die Vorstellung gehen. Und in der Tat verflogen die drei Stunden im Flug. Unglückliche Liebe, ländliche Tristesse und künstlerische Misserfolge ergeben bei Tschechow ein erstaunlich buntes, humorvolles und tiefgründiges Gemisch. Die Inszenierung war sehr schlicht, kaum Musik, eine kleine Bühne. Die Schauspieler standen eindeutig im Zentrum. Und sie spielten sehr emotional. Vielleicht würde manch ein Kritiker sagen zu emotional, mit zuwenig Zwischentönen. Nichtsdestotrotz hat sich die Reise schon für den Theaterabend gelohnt.
Am Dienstag zogen wir durch die trubelige Hauptstadt, in der es scheinbar keine Berliner gibt: Sachsen, Dänen, Holländer und vor Allem Spanier waren überall, aber Berliner… Unter Anderem gingen wir in die Kuppel der neuen Synagoge in Mitte. Es machte mich wütend und traurig, als ich dort von der Geschichte des Hauses und seiner Gemeinde hörte. Die Verwüstungen in der Pogromnacht 1938, das Herausreißen der Torarollen aus den Schreinen, das Unterdrücken der jüdischen Religion und Kultur. Und es ist ein Triumph der Zivilisation, dass die Synagoge 1988 wieder aufgebaut wurde und sich wieder ein Wahrzeichen von Berlin nennen kann. Aber wie fragil dieser Triumph der Zivilisation ist, zeigen die Sicherheitskontrollen am Eingang. Metalldetektoren und Kontrollen wie am Flughafen zeigen, dass Judentum auch heute kein ganz normaler Teil unserer Gesellschaft ist.
Sonnenschein satt begleitete uns von Montag bis Mittwoch. Ein Silvestermorgen in der Nähe von Königs Wusterhausen war ein winterlich-romantischer Ausklang für den Kurztrip. Klare Luft, Wald und ein See. Zart zwitscherten die daheim gebliebenen Vögel in den kahlen Baumkronen. In der Ferne knallte gelegentlich ein Feuerwerkskörper. An meiner Seite ein so wundervoller Mensch. 2008 endete großartig, ein Ende, das Kraft und Mut gibt für ein spannendes, kreatives und inspirierendes 2009! Selbiges wünsche ich auch allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs!
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Jubiläumsjahr
200 Jahre Louis Braille, 100 Jahre Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg. Wenn das kein Jubiläumsjahr wird – und viel spannende Arbeit für mich mit sich bringt.
Louis Braille, der Erfinder der Blindenschrift, hat am 4. Januar 2009 200. Geburtstag. Seine Erfindung ermöglicht bis heute den blinden Menschen weltweit Bildung, Zugang zu Literatur und Information und ein selbstständiges Leben. Auch in Hamburg wird das Braille-Jahr gefeiert. Beispiele: am 04.01. um 15.00 Uhr wird der U-Bahn-Vorplatz Hamburger Straße in Louis-Braille-Platz umbenannt. Kultursenatorin Karin von Welck wird einweihen. Es sind zwischen Januar und August Veranstaltungen rund um die sechs Punkte geplant, die unter dem Motto „Tour de Braille“ stehen werden, einer bundesweiten Aktion mit 200 Events.
Und noch ein Geburtstag: Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) wird 100 Jahre alt. Neben einem Mitgliederfest zum Auftakt (04.01. im Louis-Braille-Center, Holsteinischer Kamp 26) ist u. A. geplant: eine Kunstausstellung von Tastbildern der Malerin Armelle Mag, die Wiederaufnahme des Theaterstückes „Blindfische und Sehfische“ mit blinden Laiendarstellern und sehenden Profis in der Kulturbühne Bugenhagen (am 13. und 14.03.), ein offizieller Empfang für Politik und Gesellschaft, ein Straßenfest der Sinne am 06. Juni (u. A. mit Motorradfahren für blinde Menschen und vielen Erlebnissen unter der Augenbinde für die sehende Bevölkerung). Der BSVH vertritt die Interessen seiner knapp 1500 Mitglieder und aller blinden und sehbehinderten Hamburgerinnen und Hamburger. Er bietet Beratung, Hilfsmittel und Kultur für Menschen mit Augenerkrankungen. Ich freu mich auf das Jubiläumsjahr!