Social Media und Selbsthilfe (2): Die Nische besetzen

Am 4. Juli 2013 fand in Düsseldorf das Forum Verbandskommunikation mit dem Themenschwerpunkt Social Media statt. Ich war als Referent eingeladen. „Social Media und Selbsthilfe: Zwischen Authentizität und kleinem Budget“ hieß mein kurzer Vortrag, auf dessen Grundlage ich hier im Blog eine kleine Serie veröffentliche. Im ersten Teil ging es um Authentizität als Chance.

Themen wie Blindheit und Sehbehinderung gelten in klassischen Medien häufig als Rand-Themen. umso wichtiger ist für eine Selbsthilfe-Organisation wie dem Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) die Präsenz im Internet. Mit Social Media steigt zum einen die Auffindbarkeit im Web. Zum anderen haben wir unseren Verein Stück für Stück als Experten für unsere Nische aufgebaut.

Das heißt aber nicht, dass wir dank Facebook-Profil plötzlich die breite Masse erreichen. Eine Nische bleibt eine Nische – auch im Social Web. So haben wir aktuell 317 „Gefällt Mir“-Angaben. Darunter ist aber ein Kern sehr interessierter Menschen. Dazu gehören von Blindheit oder Sehbehinderung Betroffene, Vereinsmitglieder, Studierende der Blindenpädagogik, einige meiner eigenen Facebook-Freunde und Interessierte. Diese Heterogenität ist eine Herausforderung für unsere Social-Media-Strategie.

Wir liefern via Facebook Infos über die Themenfelder Behinderung, Inklusion, kündigen unsere Veranstaltungen an und verweisen auf neue Artikel auf unserer Website. Und wir rufen unsere Fans zu Aktionen auf.

Daneben ist der BSVH auch auf Twitter aktiv. Derzeit folgen uns 2.076 Accounts. Die veröffentlichten Inhalte sind ähnlich wie auf unserer Facebook-Seite. Beim Aufbau von Social Media gab es in meinem Fall viel Learning by Doing. So hat sich unser Twitter-Profil aus meinem persönlichen Account @HeikoKunert entwickelt. Dort hatte ich schon früh Links zu interessanten Artikeln rund um Blindheit, Sehbehinderung und Augenerkrankungen gepostet. Das große Interesse daran zeigte mir, dass die Inhalte auch für ein Twitter-Profil des Vereins geeignet waren.

Es ist eine Social-Media-Binsenweisheit: Interaktion ist auf Facebook, Twitter und Co. entscheidend, will man dort erfolgreich sein. Leider sind die personellen Ressourcen von Selbsthilfe-Organisationen hierfür häufig zu begrenzt.

Im nächsten Teil dieser Serie geht es um das kleine Budget als Herausforderung.

Positives Signal: Gehörlose Julia Probst ist Bloggerin des Jahres

Dass Social Media sich hervorragend dafür eignen kann, für vermeintliche Nischen-Themen zu sensibilisieren, zeigt Julia Probst. Die gehörlose 30-Jährige ist in dieser Woche als Bloggerin des Jahres ausgezeichnet worden. Außerdem hat sie es in die Top Ten der internationalen Twitter-Storys des Jahres 2011 geschafft. In ihrem Blog und bei Twitter setzt sie sich streitbar für mehr Barrierefreiheit, insbesondere für mehr Untertitel und Gebärdensprachdolmetscher im TV ein. Es ist ein tolles Signal für behinderte Menschen, wenn Engagement für mehr Gleichberechtigung in der Gesellschaft honoriert wird. Und ich hoffe, dass das positive Feedback Julia und viele weitere Blogger mit Behinderung motiviert, weiter zu machen – auch wenn der Kampf zäh und anstrengend sein kann. Ergänzend sei allen Leserinnen und Lesern ein Interview empfohlen, das Julia gestern der Rhein-Zeitung gegeben hat.

Entrümpeln 2.0: Der Social-Media-Sperrmüll war da

Als PR-Schaffender interessieren mich neue Kommunikationsmöglichkeiten schon von Berufswegen sehr. Daher teste ich immer gern das eine oder andere Social-Media-Angebot. Da sammelt sich mit der Zeit so manches Profil an. Das eine pflegt und lebt man, das andere zieht man irgendwie durch Verknüpfen von Accounts noch mit durch, die übrigen liegen mehr oder minder brach. Hin und wieder muss dann mal der Web-2.0-Sperrmüll weggebracht werden.

Der Start von Google+ hat die Frage nach dem Umgang mit immer mehr Social-Media-Kanälen dringlicher werden lassen. Johannes brachte es mit der These „Weniger Social Profiles sind mehr Social Web“ auf den Punkt. Er schrieb auf Grey.de:

Nicht nur, dass Facebook mittlerweile ein Ökosystem erschaffen hat, welches neben nahezu 1 Mrd. Nutzern auch alles anbietet, was derzeit cool ist, nein auch Google schwingt sich auf 10 Mio. Nutzern in ein bzw. zwei Wochen. Klar, die Ökosysteme gibt es auch rund um die anderen Social Media Kanäle.

Daneben ist man aber noch auf Twitter, um schnelle kleine Botschaften zu versenden oder 140 Zeichen Dialoge zu führen, auf YouTube, um ggf. Videos zu veröffentlichen, auf Linkedin, um Business, Recruiting oder die Jobsuche voranzutreiben, auf Xing, um ähnliches zu machen, auf Tumblr, um Blogposts zu rebloggen, auf seinem eigenen Blog, um das Herzstück voranzubringen, Friendfeed, um nen aggregierten Stream zu haben und gelegentlich mal zu diskutieren. usw. Das wird einfach zuviel, wenn sie nicht miteinander verknüpft sind😉

Ich könnte wetten, dass es vielen so ergeht: Es gibt ein Herzstück und zwei oder drei enge Begleiter, die regelmäßig Eure Aufmerksamkeit und Pflege spüren, aber je weiter man sich davon entfernt, umso seltener werden die Ausläufer gepflegt.

Recht hat der Mann. Ich habe nun einige „Ausläufer“ entrümpelt. Das sind die Angebote, die mir keinen oder kaum Nutzwert gebracht haben: Entweder, weil ich das, was ich dort tun konnte, auch woanders tun konnte, oder weil sie nicht hielten, was sie versprachen, oder ich war dort mit den selben Leuten vernetzt, mit denen ich auch schon bei Facebook oder Twitter vernetzt bin, oder ich hatte einfach keine Zeit Inhalte für das Netzwerk zu liefern. Also, wundern Sie sich nicht, wenn Sie mich nicht mehr bei Foursquare, Friendfeed, Mister Wong, Lovelybooks, Qype, Myonid, Threewords.me und Ask.fm finden.

Ich freue mich weiterhin darauf, mich mit Ihnen auszutauschen, entweder hier im Blog oder über die folgenden Kanäle:

Und wie gehen Sie mit der zunehmenden Zahl von Web-2.0-Angeboten um?

Kurz und gut (3): Gedanken

Armin Sengbusch schreibt und ist Slammer – und er bringt Dinge auf den Punkt.