Leitstreifen für blinde Menschen: Bitte Weg frei!

Hamburgs Hauptbahnhof ist unübersichtlich: Täglich nutzen ihn 500.000 Menschen. Es gibt 14 Gleise, dazu die Stationen der vier U-Bahn-Linien. Ich behalte den Überblick dank der weißen Leitstreifen. Unterschiedliche Boden-Indikatoren weisen den Weg. Mit meinem Stock kann ich sie ertasten. Rillen- und Noppenplatten warnen vor Bahnsteigkanten und Treppen, leiten durch die Wandelhalle und führen zum gewünschten Gleis. Gerade in der großen Halle ist es schwer, Geräusche exakt zu orten. Auch kann ich mich nicht an Wänden orientieren, da hier Bäcker, Fahrkarten-Automaten und Menschenschlangen sind.

Die Leitstreifen sind ein Segen. Sie sind aber häufig versperrt. Menschen stehen plaudernd auf ihnen, Gepäck und Kinderwagen werden darauf abgestellt. Für mich ist das ein Problem. Habe ich den Streifen einmal verloren, um einem Hindernis auszuweichen, ist es nicht immer möglich, ihn in der wuseligen Halle wiederzufinden. Außerdem bin ich darauf angewiesen, die sog. Abzweigefelder mitzubekommen. Diese zähle ich, um zum richtigen Bahnsteig zu gelangen.

Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund hat anlässlich der Woche des Sehens eine Aktion am Münchener Hauptbahnhof durchgeführt. Blinde Aktivisten verteilten am 14. Oktober 2016 Postkarten an sehende Passanten, die über die Funktion der Boden-Indikatoren aufklärten. Das Motto sprach mir aus dem Herzen: „Bitte Weg frei!“

Mobilität: Blind im Winter

Seit Wochen ist der Boden gefroren. Alter Schnee hat sich in dicke Eisplatten verwandelt und liegt auf den Gehwegen. Darauf ist gestern eine ordentliche Portion neuer Flocken gefallen. Heute dann Plusgrade, sprich: kurzzeitiges Tauwetter. Meine heutigen Arbeitswege mit weißem Stock und akustischer Orientierung waren dementsprechend nur mäßig prickelnd. NDR-Info-Reporter Kersten Mügge hat mich zum Thema gefährliche Fußwege interviewt. Seinen Beitrag können Sie in der NDR-Mediathek nachhören (der Heiko Reichert im Beitrag bin ich). Der Autor und Fachjournalist Markus Ungerer hat den Radio-Bericht zum Anlass für einen Blog-Beitrag genommen. Dafür einen herzlichen Dank!