Auto kracht ins Louis-Braille-Center

Sachen gibt’s. Am vergangenen Wochenende ist ein Auto in das Louis-braille-Center des BSVH gekracht. Und gekracht hat es gewiss. Steinsockel, Glasfassade, ein komplettes Büro unserer Hilfsmittelberaterinnen und eine Innenwand wurden zerstört. Gut, dass keine Mitarbeiter im Haus waren. Der Schreibtischstuhl war durch den Aufprall fest in einen Schrank gerammt. Die blindengerechten Sonderausstattungen der PC’s sind teilweise nur noch verstaubter Schrott. Der Fahrer oder die Fahrerin hatte sogar noch die nerven, wieder auszuparken. Das Auto wurde gefunden. Die Polizei ermittelt. Unsere Hilfsmittelausstellung mussten wir vorerst schließen. Eine provisorische Bürolösung sollte aber bis zum 16. Februar stehen, so dass wir ab diesem Datum ratsuchende sehbehinderte und blinde Menschen wieder informieren können: über sprechende Uhren, Farberkennungsgeräte, Telefone mit großbeschrifteten Tasten u.v.m. Die Vernisage von Armelle Mag, die am 11. Februar sein sollte, muss leider verschoben werden. Für uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heißt es, die nächsten Monate auf einer Baustelle zu arbeiten. Jou, wir schaffen das!

Ein Auftakt nach Maß

Das Jubiläumsjahr hat begonnen. Am 4. Januar feierten blinde und sehbehinderte Menschen weltweit den 200. Geburtstag Louis Brailles. Die rund 3000 blinden und über 40.000 sehbehinderten Hamburgerinnen und Hamburger hatten noch einen Grund zum Feiern: der BSVH wurde gestern 100 Jahre alt. Diese zwei Gründe zum Feiern haben wir erfolgreich gewürdigt. Um 15.00 weihte Kultursenatorin von Welck den Louis-braille-Platz ein. Über 100 Menschen besuchten trotz Regen und Kälte den vorplatz der U-Bahn Hamburger Straße. Neben Frau von Welck würdigten der französische Konsul Tutin und der zweite Vorsitzende des BSVH Kißler die Leistung Brailles.

Im benachbarten Louis-Braille-Center, dem Dienstleistungszentrum des BSVH, feierten 350 Menschen das Vereinsjubiläum. Das kabarettistische Urgestein Hans Scheibner trat dort ebenso auf wie der Sänger Jochen Wiegandt, dessen plattdeutsche und hanseatische Volkslieder und Geschichten überraschend zeitlos daher kommen. Die Mitarbeiter und Helfer können stolz sein. Eine infrastrukturelle Meisterleistung ist geglückt. Der Partyservice Giffey verstand es großartig, unsere blinden und sehbehinderten Besucher zu bedienen – unaufdringlich und effektiv. Ein echter Hingucker war die Riesentorte, auf der in Blinden- und Schwarzschrift stand: „200 Jahre Louis Braille – 100 Jahre BSVH) und auf der leckere Hände die Punktschrift lasen. Das fand auch das Hamburg-Journal, das die Torte in der sonntagsausgabe zeigte.

Überhaupt war das Medien-Echo erfreulich: Welt, Abendblatt, Mopo, Kobinet und die TAZ berichteten (letztere sogar zweifach). Die ausführlichste Information bot NDR 90,3 mit einer Live-Schaltung, mit Kurzberichten in den Nachrichten und einer lebendigen Reportage am Montagmorgen. Ich danke allen Journalistinnen und Journalisten für die Zusammenarbeit.

Bilder zum Fühlen im Louis-Braille-Center

Das Kreischen der Bohrmaschine schallt derzeit durch das Louis-Braille-Center. Es wird gehämmert. Das Galeriesystem wird montiert. Bilder zum Ertasten werden aufgehängt. Nachdem ich mir im Sommer eine Ausstellung von Armelle Mag angeschaut hatte, war ich begeistert und berichtete an dieser Stelle. Gemalte Kunst zum Fühlen. Das ist schon etwas besonderes und etwas für die sehbehinderten und blinden Hamburger, habe ich gedacht und eine Ausstellung in unserem Haus angeregt. Und nun kommt sie: Ab Januar 2009 können alle interessierten Hamburger mit Augen und Händen Mags Werke entdecken. Eine Veranstaltung mit der Künstlerin und sehbehinderten und blinden Menschen ist für den Februar geplant. Die Farbe ist dick aufgetragen, so dass Relief-Landschaften entstehen. Mag arbeitet häufig mit sehr starken Gegensätzen. Die farblichen Kontraste dürften auch für Menschen mit einem geringen Sehrest ein Kunsterlebnis sein. Ich bin schon jetzt gespannt auf die Meinungen unserer Besucher. Und natürlich auf Ihre Reaktionen, liebe Blind-PR-Leserinnen und -Leser. Schauen Sie doch ab Januar mal im Holsteinischen Kamp 26 vorbei.