Thommie Bayers Romane: Die Suche nach dem Glück

Es gibt Bücher, die sind leicht im Ton und stellen doch die ganz großen Fragen. Das gilt zum Beispiel für die Romane von Thommie Bayer. Zwei von ihnen kenne ich inzwischen, und beide haben mich sehr berührt.

Bayers neuestes Werk hat den traurig-schönen Titel „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“. Alte Schulfreunde treffen sich in der Mitte ihres Lebens wieder. Ihre gemeinsamen Tage in Venedig sind nicht spannungsfrei. Sie haben sich teils auseinandergelebt, sind sich fremd geworden. Alte Konflikte aus jungen Jahren haben sich manifestiert. Und doch liegt über allem eine Vertrautheit, wie sie nur eine gemeinsame Jugend in Freundschaft schaffen kann. Alle Vier sind sie auf ihre jeweilige Art gescheitert, gescheitert an der Liebe. Aber selbstverständlich gibt es – und das kann man von einem Buch wie diesem ja wohl auch erwarten – Hoffnung, Mut und vielleicht sogar neues Glück.

Glück hat der Ich-Erzähler in „Heimweh nach dem Ort, an dem ich bin“ schon lang nicht mehr erlebt. Früh in dieser charmanten Geschichte spürt der Leser, dass in der Vergangenheit des Helden wirklich üble Dinge geschehen sein müssen. Heute ist sein Leben beruflich und privat eingefahren. Es gibt wenige emotionale Ausschläge. Erst als er vor einem drohenden Skandal – er sieht sich Plagiatsvorwürfen (wie aktuell) ausgesetzt – aufs Land flieht, in einen Bungalow inmitten von Weinbergen und Tabakfeldern, da löst sich seine Erstarrung. In Zwiegesprächen mit Einer ihm zugelaufenen Katze und in einer beginnenden Freundschaft mit den Vermietern des Ferienhauses, findet er zu sich, zu seiner Geschichte und zu dem was zählt im Leben. Das ist nicht nur für den Erzähler befreiend, es lohnt sich auch für den Leser.

Perspektiven (16): Vom Reisen und der Liebe

Der Hamburger Robbie Sandberg ist blind und reist um die ganze Welt: Skandinavien, Nordamerika, Indien. Und er lebte fünf Jahre in Irland. TAZ-Journalist Timo Robben porträtiert Robbie in einer spannenden Reportage:

Navigieren muss Robbie mehr als die meisten Menschen. Als er noch in Dublin gelebt hat, war er oft auf den menschenleeren irischen Inseln unterwegs. Eine Software für sein Smartphone hat ihm das möglich gemacht: Loadstone. Mit dem App lassen sich „elektronische Brotkrümel“ legen. Wegpunkte, die Robbie dann durch die Sprachausgabe des Handys zurückverfolgen kann. „Wenn ich einen Strand betrete, dann muss ich ja auch wissen, an welcher Stelle. Sonst finde ich ja gar nicht mehr zurück“, erklärt Robbie. Auf einem Strand bringen ihn weder akustische Signale noch sein Blindenstock weiter. „Ohne das GPS wäre das gar nicht möglich.

Eine Geschichte fürs Herz hat Meike Lorenzen geschrieben. Sie schildert die Lebensgeschichte eines blind-sehenden Pärchens. Der Artikel erschien bereits im Dezember 2009 im Weserkurier und ist im Blog der Journalistin nachzulesen:

Es ist ein stiller Moment an diesem Vormittag, an dem Bernt und Helgard von ihrem Leben erzählen. Eigentlich sind ihre Geschichten voller Fröhlichkeit. Auch wenn Helgard von schwierigen Momenten spricht, von denen, in denen ihr Mann unterschätzt und diskriminiert worden ist, klingt ihre Stimme energisch, doch stets freundlich. Nie verbittert. Mit leicht geneigtem Kopf hört Bernt seiner Frau dann zu, die zurückgelehnt im roten Sessel im Wohnzimmer sitzt. In ihre Stimme hat er sich verliebt, vor über 40 Jahren. Ihren Klang liebt Bernt noch heute.

In „Perspektiven“ stelle ich lesenswerte Beiträge vor. Viele weitere Linktipps erhalten Sie vom Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg via Twitter.