The Magnetic Fields: Sanft und Böse

„ich komme nach Hamburg und möchte auf ein Konzert gehen“, sagte die PR-Kollegin aus Berlin und fragte die bezaubernde Anna und mich, ob wir mitkommen wollten. Unter Anderem schlug sie The Magnetic Fields vor. Die kannte ich nicht. Daher mal schnell Last.fm und Youtube konsultiert…

…Und für interessant befunden. Indie-Folk oder sowas.

So gingen wir am Montag in die Fabrik nach Altona. Irritierend war die Ankündigung „Heute kein Getränkeausschank“. Die Garderobe war geschlossen. „Dafür haben wir heute Stühle“, war die hanseatisch-lapidare Alternative. So saß man und war gespannt, was nun wohl kommen sollte…

…Es kamen fünf Musikerinnen und Musiker, die Gitarren, Ukulele und Cello sanft und harmonisch zu kantig-schönen Stimmen spielten. Die Lieder waren mehr Folk und weniger Indie als ich angenommen hatte. Musik zum Zuhören eben. Und nur sehr selten hat man das Fabrik-Publikum so ruhig und andächtig lauschend erlebt. Das lag auch an den feinsinnig-bösen Texten…

…Fazit: Anders als gedacht, dafür um so lohnenswerter – eine tolle Konzert-Überraschung.

Konzert-Kritiken: Geigenrock und Fusionjazz

Konzerte, die unterschiedlicher kaum sein können, standen in der vergangenen Woche auf meinem Kulturkalender: Kettcar und Don Grusins Hang All Stars. Der Unterschied wird noch dadurch verstärkt, dass Kettcar am Dienstag auf Violinen und nicht auf E-Gitarren setzten. In den bestuhlten Fliegenden Bauten ging es somit sehr ruhig, nachdenklich, bewegend her. Es standen die Balladen der einstigen hanseatischen Punk- und Ska-Größen auf dem Programm. Und wie immer ging es textlich darum, in einer Welt, die uns Enttäuschungen bringt und uns zynisch werden lässt, die Hoffnung nicht vollkommen zu verlieren. Mein Fazit: Ein Konzept, das wiederholt und ausgebaut werden sollte.

Auch der Support von Kettcar konnte sich sehen und hören lassen. John K Samson stand auf der Bühne. Der Frontmann der kanadischen Punkband The Weakerthans bot soliden Singersongwriter-Folk mit humorvollen Texten und kleinen, schönen Melodien und schlichten Sound-Einspielungen – besonders gefiel mir das Schnurren der verstorbenen Katze des Sängers, das sich durch ein Stück brummte. Mein Fazit: Ein angemessener Support, aber das Folkrad erfindet Samson nicht neu.

Die Ankündigung für das Konzert am Donnerstag las sich vielversprechend: „Ein ganz besonderes musikalisches Live-Erlebnis im Herbst verspricht die von Don Grusin gegründete All-Star-Band ›The Hang‹. Mit der Grammy Nominierung für ›Best Contemporary Jazz Album‹ ist Don Grusin mit ›The Hang‹ in Amerika schon ein riesiger Erfolg gelungen. Jetzt kommt diese sensationelle Besetzung mit zwei deutschen Gästen auf Tour nach Europa!    Auf besonderen Wunsch von Don Grusin wurde der Hamburger Nils Wülker eingeladen, bei dieser All Star Band als einziger Bläser mitzuspielen. Nils Wülker überzeugte sie mit seinem warmen Sound auf Trompete und Flügelhorn und wird das erste Mal ohne seine langjährige eigene Band auf Tour gehen. ›The Hang All Stars‹ verbinden Funk, Fusion, akustischen Jazz und eine Prise Weltmusik zu einer aufregenden und energetischen Performance mit unglaublicher Virtuosität.“ Mein Fazit: Die Ankündigung war untertrieben. Wer die Möglichkeit hat, diese grandiose Fusion-Kombination einmal live zu sehen – und sei es auf DVD -, der sollte das tun. Nicht nur für eingefleischte Jazzfans, sondern ein Hörgenuss für alle Freunde rhythmischer und druckvoller Musik. Da spielen Profis, aber die ganz großen.