Hörfilm-Gala: Die Promis kommen

Vom Frankfurter PR-Seminar geht es heute nach Berlin. In der Hauptstadt wird morgen der deutsche Hörfilmpreis verliehen. Mit dieser Auszeichnung würdigt der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband alljährlich besonders gelungene Produktionen mit Audiodeskription und Personen, die sich für das Medium Hörfilm engagieren. Der Event gehört zu den öffentlichkeitswirksamsten Terminen des Blinden- und Sehbehindertenwesens in der Bundesrepublik. Mit soviel Prominenz wie bei der Gala im historischen Atrium der Deutschen Bank haben wir Blind-PR’ler nur sehr selten zu tun. Schirmherr war in den ersten sechs Preis-Jahren Mario Adorf. Ein neuer Schirmherr wird Donnerstag von Klaus Wowereit vorgestellt. Joy Denalane wird singen, Frauke Ludowig moderieren. Als prominente Gäste haben bisher ihr Kommen bestätigt: Anna Maria Mühe, Hannelore Hoger, Clemens Schick, Boris Aljinovic, Dominic Raacke, Valerie Niehaus, Jennifer Ulrich, Kostja Ullmann, Janine Reinhardt, Otto Sander, Jaecki Schwarz, Friede Springer, Regine Sixt, Patricia Riekel sowie Regina Ziegler.

Hörfilme sind ein Stück Integration: Sie ermöglichen es blinden und sehbehinderten Menschen, Filme und Serien unabhängig und eigenständig zu verfolgen. In den Dialogpausen werden Mimik, Gestik und andere rein visuelle Fakten und Handlungen eingesprochen. Audiodeskription funktioniert also wie ein Hörspiel. Im öffentlichrechtlichen TV gibt es regelmäßig Hörfilme. Allerdings ist dies, gemessen am Gesamtprogramm, immer noch die absolute Ausnahme. Auch auf DVD erscheinen einige Filme mit Audiodeskription.

Die Nominierungen für den siebten deutschen Hörfilmpreis:

  1. „Strajk – Die Heldin von Danzig“ Eingereicht von: Arte
  2. „TRIP TO ASIA ~ Die Suche nach dem Einklang“ Eingereicht von: BOOMTOWNSOUNDS GmbH & Co KG
  3. „Kirschblüten Hanami“ Eingereicht von: Bayerischer Rundfunk
  4. „Die Welle“ Eingereicht von: HIGHLIGHT COMMUNICATIONS
  5. „Shine a Light“ Eingereicht von: KINOWELT HOME ENTERTAINMENT
  6. „Die Katze“ Eingereicht von: Norddeutscher Rundfunk
  7. Tatort „Blinder Glaube“ Eingereicht von: Rundfunk Berlin-Brandenburg
  8. „BLINDSIGHT“ Eingereicht von: Tao Cinemathek GmbH
  9. „Engelchen flieg“ Eingereicht von: Westdeutscher Rundfunk
  10. „Der Letzte macht das Licht aus“ Eingereicht von: ZDF
  11. „Novemberkind“ Eingereicht von: Südwestrundfunk
  12. Frau Hela Michalski, Hörfilmbeauftragte des Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein (BSVSH) Eingereicht von: BSVSH

Zynische Sozialpolitik: Mecklenburg-Vorpommern kürzt Blindengeld

Blindengeld bleibt ein politischer Dauerbrenner: In Niedersachsen stieg die Leistung leicht, der Thüringer Blinden- und Sehbehindertenverein kämpft für eine Erhöhung im Schlusslichtland, von europäischer Seite gibt es Bedenken, ob die Kleinstaaterei beim Nachteilsausgleich rechtens ist. Und in Mecklenburg-Vorpommern hat der Landtag heute eine dramatische Leistungskürzung um 20 prozent beschlossen. Um den Haushalt zu sanieren, wird im Nordosten im sozialen Bereich gespart. Dabei hatte die vermeintlich kleine Gruppe der blinden und sehbehinderten Menschen enorme Schlagkraft bewiesen: Demonstrationen, Mahnwachen, Unterschriften-Aktionen und Gespräche mit Politikerinnen und politikern wurden auf die Beine gestellt. Leider konnte die Kürzung nicht verhindert werden. Immerhin aber konnten die 40prozentigen Streichungspläne des Sozialministeriums reduziert werden. Dass sich SPD und CDU die geringere Kürzung nun auf ihre sozialpolitischen Fahnen schreiben, ist allerdings mehr als zynisch. DBSV-Inform schreibt zum heutigen Landtagsbeschluss:

„acht Monate lang hat der Blinden- und Sehbehinderten-Verein Mecklenburg-Vorpommern (BSVMV) intensiv gegen die geplante Kürzung des Landesblindengeldes gekämpft. Heute fiel die Entscheidung: Der Schweriner Landtag verabschiedete in zweiter Lesung die Kürzung von 546,10 Euro auf 430 Euro im Monat. Dabei stimmten 36 Abgeordnete für und 28 gegen das neue Landesblindengeldgesetz, das zum 1. Mai 2009 in Kraft treten wird.

Nachdem sich der Koalitionsausschuss Ende Januar darauf verständigt hatte, die geplante Kürzung von 40 auf 20 Prozent zu reduzieren, war das Ergebnis der heutigen Landtagssitzung abzusehen. Trotzdem hatte der BSVMV noch einmal zum Protest aufgerufen. Rund 100 blinde und sehbehinderte Menschen versammelten sich heute früh zu einer Mahnwache vor dem Schweriner Schloss, um die Abgeordneten daran zu erinnern, dass sie bei der Abstimmung allein ihrem Gewissen verpflichtet sind.

Betrachtet man allein die Zahlen, sieht das Ergebnis des Blindengeldkampfes in Mecklenburg-Vorpommern wie ein Kompromiss aus. Die Enttäuschung bei den Vertretern der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe ist trotzdem groß. „Am Ende ging es der Landesregierung nur noch darum, unbeschadet aus dem Blindengeldkampf herauszukommen. Mit großer Enttäuschung müssen wir erkennen, dass es sich um eine rein politische Entscheidung handelt, die nicht mit nachvollziehbaren Gründen belegbar ist“, erklärt Gudrun Buse, Landesvorsitzende des BSVMV. Und auch Renate Reymann, Präsidentin des DBSV, beklagt: „Es entsteht der bittere Beigeschmack, dass wir nur Statisten sind im politischen Theaterstück „Wie es uns gefällt“. Wir werden uns weiter gegen jede Politik der sozialen Kälte zur Wehr setzen und auch nach neuen Wegen suchen, um den Nachteilsausgleich für blinde und sehbehinderte Menschen abzusichern.““

Einstimmige Entscheidung

Die Bürgerschaft – Hamburgs Landesparlament – hat gestern einstimmig beschlossen, das Blindengeld rückwirkend zum 1. Juli zu erhöhen. Es wird zukünftig an die Renten-Entwicklung gekoppelt. Bisher war der Betrag eingefroren. Die Entscheidung ist positiv für die knapp 3000 blinden Hamburgerinnen und Hamburger. Die Politik hat sie zumindest nicht ganz vergessen. „Das ist zwar eine gute Nachricht, aber zu wenig“, sagt Uwe Grund von der SPD. Die CDU habe das Blindengeld 2004 „dramatisch um fast ein Viertel“ gekürzt. Die jetzige Anpassung werde „nicht einmal die Inflationsrate ausgleichen „, so Grund im Hamburger Abendblatt. Recht hat der Mann. Und wie die drohenden Kürzungen in Mecklenburg-Vorpommern zeigen, müssen die Blinden- und Sehbehindertenvereine in Deutschland auch zukünftig sehr wachsam und handlungsfähig sein.