Deutschlandfunk: Mit Behinderung unterwegs

Es gibt das Behindertengleichstellungsgesetz, die Antidiskriminierungsrichtlinie, die UN-Behindertenrechtskonvention und den Artikel 3 des Grundgesetzes. Und trotzdem ertönt bei den neuen Hamburger U-Bahnzügen kein akustisches Signal, wenn die Türen sich schließen. Für Blinde eine gefährliche Situation. Eine nur fünf Zentimeter hohe Schwelle vor einem Geschäft wird für viele Rollstuhlfahrer zu einer unüberwindbaren Hürde. Dabei gibt es klappbare Alurampen schon für hundert Euro. Es sind oft Kleinigkeiten, die bei Menschen mit Behinderung den Unterschied zwischen Mobilität und Abhängigkeit machen. Bettina Schmieding hat Menschen in ihrem Alltag begleitet, die sagen: „Wir sind nicht behindert, wir werden behindert.“

So kündigte der Deutschlandfunk das gestern ausgestrahlte Wochenendjournal an. Die Sendung mit dem Titel „Wo will der Rollstuhl denn aussteigen?“ – Mit Behinderung unterwegs kann zum Beispiel von der Seite des Senders oder via iTunes heruntergeladen werden. In hörenswerten Reportagen kommen Raul Krauthausen, Janis McDavid und meine Wenigkeit zu Wort.

Um Filme zu lieben, braucht man sie nicht zu sehen

Die Gala zum siebten deutschen Hörfilmpreis war ein voller Erfolg. Meinen Bericht über die Verleihung können Sie im Blog von Lisa-Sprachreisen lesen. Vielen Dank an die Lisa-Twitterer für die Anfrage nach dem Artikel“

Hörfilm-Gala: Die Promis kommen

Vom Frankfurter PR-Seminar geht es heute nach Berlin. In der Hauptstadt wird morgen der deutsche Hörfilmpreis verliehen. Mit dieser Auszeichnung würdigt der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband alljährlich besonders gelungene Produktionen mit Audiodeskription und Personen, die sich für das Medium Hörfilm engagieren. Der Event gehört zu den öffentlichkeitswirksamsten Terminen des Blinden- und Sehbehindertenwesens in der Bundesrepublik. Mit soviel Prominenz wie bei der Gala im historischen Atrium der Deutschen Bank haben wir Blind-PR’ler nur sehr selten zu tun. Schirmherr war in den ersten sechs Preis-Jahren Mario Adorf. Ein neuer Schirmherr wird Donnerstag von Klaus Wowereit vorgestellt. Joy Denalane wird singen, Frauke Ludowig moderieren. Als prominente Gäste haben bisher ihr Kommen bestätigt: Anna Maria Mühe, Hannelore Hoger, Clemens Schick, Boris Aljinovic, Dominic Raacke, Valerie Niehaus, Jennifer Ulrich, Kostja Ullmann, Janine Reinhardt, Otto Sander, Jaecki Schwarz, Friede Springer, Regine Sixt, Patricia Riekel sowie Regina Ziegler.

Hörfilme sind ein Stück Integration: Sie ermöglichen es blinden und sehbehinderten Menschen, Filme und Serien unabhängig und eigenständig zu verfolgen. In den Dialogpausen werden Mimik, Gestik und andere rein visuelle Fakten und Handlungen eingesprochen. Audiodeskription funktioniert also wie ein Hörspiel. Im öffentlichrechtlichen TV gibt es regelmäßig Hörfilme. Allerdings ist dies, gemessen am Gesamtprogramm, immer noch die absolute Ausnahme. Auch auf DVD erscheinen einige Filme mit Audiodeskription.

Die Nominierungen für den siebten deutschen Hörfilmpreis:

  1. „Strajk – Die Heldin von Danzig“ Eingereicht von: Arte
  2. „TRIP TO ASIA ~ Die Suche nach dem Einklang“ Eingereicht von: BOOMTOWNSOUNDS GmbH & Co KG
  3. „Kirschblüten Hanami“ Eingereicht von: Bayerischer Rundfunk
  4. „Die Welle“ Eingereicht von: HIGHLIGHT COMMUNICATIONS
  5. „Shine a Light“ Eingereicht von: KINOWELT HOME ENTERTAINMENT
  6. „Die Katze“ Eingereicht von: Norddeutscher Rundfunk
  7. Tatort „Blinder Glaube“ Eingereicht von: Rundfunk Berlin-Brandenburg
  8. „BLINDSIGHT“ Eingereicht von: Tao Cinemathek GmbH
  9. „Engelchen flieg“ Eingereicht von: Westdeutscher Rundfunk
  10. „Der Letzte macht das Licht aus“ Eingereicht von: ZDF
  11. „Novemberkind“ Eingereicht von: Südwestrundfunk
  12. Frau Hela Michalski, Hörfilmbeauftragte des Blinden- und Sehbehindertenverein Schleswig-Holstein (BSVSH) Eingereicht von: BSVSH

Ein gutes Ende

Zwischen Weihnachtsgans und Süßigkeiten-Bergen einerseits und dem arbeitsreichen Start ins Jubiläumsjahr 2009 andererseits wollte ich nochmal raus. Ab ging es nach Berlin und Brandenburg: Theater, Hauptstadttrubel und Frischluft standen an.

Die bezaubernde Anna und ich schauten uns die Möwe von Anton Tschechow in der Volksbühne an. Ich kannte das Stück nicht, mein Fable für russische Autoren ließ mich aber optimistisch in die Vorstellung gehen. Und in der Tat verflogen die drei Stunden im Flug. Unglückliche Liebe, ländliche Tristesse und künstlerische Misserfolge ergeben bei Tschechow ein erstaunlich buntes, humorvolles und tiefgründiges Gemisch. Die Inszenierung war sehr schlicht, kaum Musik, eine kleine Bühne. Die Schauspieler standen eindeutig im Zentrum. Und sie spielten sehr emotional. Vielleicht würde manch ein Kritiker sagen zu emotional, mit zuwenig Zwischentönen. Nichtsdestotrotz hat sich die Reise schon für den Theaterabend gelohnt.

Am Dienstag zogen wir durch die trubelige Hauptstadt, in der es scheinbar keine Berliner gibt: Sachsen, Dänen, Holländer und vor Allem Spanier waren überall, aber Berliner… Unter Anderem gingen wir in die Kuppel der neuen Synagoge in Mitte. Es machte mich wütend und traurig, als ich dort von der Geschichte des Hauses und seiner Gemeinde hörte. Die Verwüstungen in der Pogromnacht 1938, das Herausreißen der Torarollen aus den Schreinen, das Unterdrücken der jüdischen Religion und Kultur. Und es ist ein Triumph der Zivilisation, dass die Synagoge 1988 wieder aufgebaut wurde und sich wieder ein Wahrzeichen von Berlin nennen kann. Aber wie fragil dieser Triumph der Zivilisation ist, zeigen die Sicherheitskontrollen am Eingang. Metalldetektoren und Kontrollen wie am Flughafen zeigen, dass Judentum auch heute kein ganz normaler Teil unserer Gesellschaft ist.

Sonnenschein satt begleitete uns von Montag bis Mittwoch. Ein Silvestermorgen in der Nähe von Königs Wusterhausen war ein winterlich-romantischer Ausklang für den Kurztrip. Klare Luft, Wald und ein See. Zart zwitscherten die daheim gebliebenen Vögel in den kahlen Baumkronen. In der Ferne knallte gelegentlich ein Feuerwerkskörper. An meiner Seite ein so wundervoller Mensch. 2008 endete großartig, ein Ende, das Kraft und Mut gibt für ein spannendes, kreatives und inspirierendes 2009! Selbiges wünsche ich auch allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs!