House of Ghosts: Dunkellesungen in Köln und Leipzig

Frank Reifenberg und Heiko Kunert auf der Bühne
Autor Frank M. Reifenberg kann nur bei Licht vorlesen, Heiko Kunert übernimmt, dank Brailleschrift, im Dunkeln

Im vergangenen Jahr erschienen in Deutschland 89.506 Bücher, in Blindenschrift aber nur 500. Die Versorgungslücke ist so groß, dass die Weltblindenunion von Büchernot spricht. Auch von den Kinder- und Jugendbüchern wird nur ein Bruchteil in die Punktschrift übertragen. Ein Kinder- und Jugend-Roman, der übersetzt wurde, ist Frank Maria Reifenbergs „House of Ghosts – Das verflixte Vermächtnis“.

Der Autor und ich machen in diesem Jahr mit gemeinsamen Lesungen auf die Büchernot aufmerksam und informieren über das Thema Blindheit. Vor allem aber hoffen wir, die junge Zuhörerschaft mit einer spannenden, aber auch humorvollen Story zu unterhalten.

Wie es sich für eine anständige Geister-Geschichte gehört, spielt „House of Ghosts“ natürlich hin und wieder im Dunkeln. Da liegt der Gedanke nah, auf der Bühne das Licht auszuschalten. Da Frank dann mit dem Vorlesen überfordert ist, hat er mich ins Boot geholt – dank Brailleschrift kein Problem.

Die nächsten Termine:

Elbphilharmonie: Hürden für Sehbehinderte

Die 3.000 blinden und ca. 40.000 sehbehinderten Hamburgerinnen und Hamburger und Touristen mit einer Seheinschränkung haben keine Möglichkeit, sich ohne fremde Hilfe in der Elbphilharmonie zurechtzufinden. Dies können wir nicht akzeptieren, zumal wir bereits 2007 auf viele der heute beanstandeten Punkte hingewiesen haben. Die Elbphilharmonie soll als neues Wahrzeichen der Stadt Hamburg ein Zeichen in die Welt setzen. Dies muss auch ein deutliches Zeichen für Barrierefreiheit sein.

(Angelika Antefuhr, 1. Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg nach einer Begehung der Elbphilharmonie)

Elbphilharmonie: Stufenmarkierungen anbringen!

Ein so prestigeträchtiges Gebäude wie die Elbphilharmonie muss für alle Hamburgerinnen und Hamburger – auch die 3.000 blinden und rund 40.000 sehbehinderten Menschen – gefahrlos zugänglich sein. Den Worten der Verantwortlichen müssen jetzt schnell Taten folgen und normgerechte, gut sichtbare Stufenmarkierungen angebracht werden. Wir hoffen, dass die Elbphilharmonie nicht nur architektonisch und musikalisch Maßstäbe setzt, sondern auch bei der Barrierefreiheit.

(Heiko Kunert, Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Hamburg, über gefährliche Stolperfallen in der Elbphilharmonie)

Perspektiven (17): Vom Behinderungs-Ballast befreien

Im Internet wird allerlei Lesenswertes zu den Themen Blindheit, Sehbehinderung, Barrierefreiheit und Inklusion veröffentlicht. Vieles davon geht im Social-Media-Nachrichtenstrom unter und findet kaum Beachtung. Ab sofort findet Ihr in unregelmäßigen Abständen in dieser Rubrik wieder Links, Tweets, Facebookposts oder Youtube-Videos, bei denen sich das Anklicken lohnt – ich schwör.

Berufs- und Uni-Alltag als Mensch mit geringem Sehvermögen kann ganz schön stressig sein. Einen offenen und ehrlichen Einblick gibt es im Sehungeheuer-Blog. „Was bleibt und sich den ganzen Tag nicht verdrängen lässt, ist die Frage: Bist Du gut genug für diesen Job in der akademischen Elite? Jeder Angriff auf Deine Arbeit, jeder Fehler, den Du begehst, muss erst mal von dem Behinderungs-Ballast befreit werden“, heißt es da.

Der weiße Stock ist für die meisten blinden Menschen der Alltagshelfer #1. Jennifer Sonntag erinnert er an Sanitätshaus. Sie findet, dass ein bisschen mehr Mode und Lifestyle unseren Hilfsmitteln gut tun würde. Das Akzeptieren der eigenen Behinderung würde dann leichter fallen.

Die Elbphilharmonie sieht gut aus, sagen die Meisten. Allerdings fehlen beim Treppendesign wohl die Stufenmarkierungen. shz.de berichtet jedenfalls von ersten Unfällen. Für sehbehinderte Menschen sind kontrastreiche Stufenmarkierungen ein Must Have, für die Star-Architekten Herzog & de Meuron wohl nicht.

Apropos, Elbphilharmonie: Über meinen letzten Blogpost wurde fleißig bei Facebook diskutiert. Dabei ging es auch um die Elphi. Die Journalistin Christiane Link schrieb da: „Die Hamburger sind so besoffen, was dieses Gebäude angeht, dass die Definition von Barrierefreiheit („grundsätzlich ohne fremde Hilfe“) offensichtlich nicht mehr gilt. Dann ist es plötzlich ok, dass man vom Restaurant nicht alleine zum barrierefreien WC kommt, es im Café nur Stehtische gibt und in der teuersten und größten Preisklasse laut Saalplan keine Rollstuhlplätze. Darum geht’s eigentlich, nicht um den Ton oder die Sprache der Behindertenbewegung, sondern um Beleidigung eines Wahrzeichens.“

Dass wir Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen einander noch viel mehr zuhören, noch mehr miteinander diskutieren und – wenn’s sein muss – auch mal streiten sollten, haben der großartige Raul Krauthausen und ich neulich bei einem Kaffee festgestellt.

Danke, Raul, Du machst mich schwach.

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