Reiseziel Brüssel: Atmosphäre und Armut

Raus aus dem Alltag mit seiner Vorhersehbarkeit, hinein in den Westen Europas. Die bezaubernde Anna und ich setzten uns an einem Donnerstag in den Zug nach Köln und fuhren von dort weiter in die belgische Hauptstadt Brüssel (zusammen knapp sechs Stunden). Ich gebe zu, dass wir die Stadt nur als Zwischenstopp auf dem Weg nach England ansahen. Den Meisten geht es wohl so, dass Brüssel nicht auf Platz Eins der Reiseziele steht. Und doch ist es eine interessante Stadt, soweit man das nach 24 Stunden Aufenthalt fundiert beurteilen kann.

Die Atmosphäre im Zentrum der Stadt, vor Allem auf dem Grand-Place ist beinahe südländisch: Überall Menschen, ein Sprachen- und Stimmenwirrwarr, einige Straßenmusiker. Und überall die verführerische Schokolade: als kleine Täfelchen, Pralinen, Kaffeebohnen umhüllend oder über Bananen und Erdbeeren am Spieß gegossen, köstlich. Teuer ist es hier in den Restaurants, Kaffees und Geschäften – Touristen und EU-Beschäftigte haben es wohl.

Auf der anderen Seite waren wir überrascht von der großen Armut auf den Straßen und Plätzen. Überall begegneten uns bettelnde Menschen. Gerade rund um den internationalen Mega-Bahnhof Brüssel-Midi findet man die andere Seite der Hauptstadt Belgiens. Als wir nach 22 Uhr wieder im Südbahnhof ankamen, sprach uns ein völlig verängstigter asiatischer junger Mann an. Er werde von zwei Männern verfolgt und ob wir wüssten, wo hier die Polizei sei. Natürlich wussten wir es nicht. Zusammen suchten wir die Bahnhofsinformation auf. Sie war geschlossen. Der Mann versuchte via Handy die Polizei-Nummer zu erfahren. Immer wieder flehte er uns an, nicht zu gehen, ihn nicht allein zu lassen. Wir wussten nicht, wo wir hineingeraten waren. Es war uns zunehmend unwohl. Wir fanden Security-Personal, das nur sagte: „Da müssen Sie in die Innenstadt fahren. Hier haben alle Polizeiwachen um diese Zeit geschlossen.“ Sehr beruhigend.