Sinn-voll: der 6. Juni 2009

Die Anzahl der Vorbereitungstreffen steigt und steigt. Alles muss geplant sein: Musik-Programm, Verpflegung, Infotische. Am 6. Juni findet rund ums Louis-Braille-Center das Fest der Sinne statt. Es wird ein besonderer Tag für alle Besucher – seien sie nun blind, sehbehindert oder sehend. An diesem Samstag wird der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) seinen 100. Geburtstag mit der Hamburger Bevölkerung und seinen Barmbeker Nachbarn feiern. Ab 11 Uhr bis in den Abend gibt es im und rund um das Louis-Braille-Center, Holsteinischer Kamp 26, ein buntes Programm.

Merken Sie sich, lieber Blind-PR-Leser, den Termin vor und schauen Sie doch mal vorbei und erleben Sie, wie bunt, sinnlich und spannend das Leben sein kann – auch mit schlechten Augen. Mehr Infos zum Fest der Sinne gibt es auf der Seite des BSVH.

PR’üfungen

Acht Seminar-Wochen, zwei Repetitorien, etliche Tage mit Büchern über Theorie und Praxis der Öffentlichkeitsarbeit liegen hinter mir – und drei Klausuren. Am vergangenen Mittwoch und Donnerstag schrieb ich sie in Frankfurt am Main. Die Räume der Stiftung für Blinde und Sehbehinderte verwandelten sich in einen Prüfungsort. Elemente von PR-Konzeptionen, journalistische Textgattungen, Anforderungen an Pressemitteilungen waren Thema. Außerdem musste ich aus vorgegebenem Infomaterial innerhalb von 60 Minuten eine Pressemitteilung verfassen. Sechs sehbehinderte und blinde Köpfe rauchten. Unsere Finger rauschten über die Punkte unserer Braille-Zeilen. Wir lauschten den schnell gestellten synthetischen Sprachausgaben unserer PC’s. Diejenigen von uns, die noch über ein bisschen Augenlicht verfügen, hatten ihre Gesichter dicht vor die zehnfache Vergrößerung auf ihren Laptop-Bildschirmen gepresst. Ich bin guter Dinge, dass wir alle die Prüfungen der Akademie für Kommunikationsmanagement bestehen und ich mich nach der mündlichen Prüfung am 29. Mai PR-Juniorberater (AKOMM) nennen darf. Hoffentlich behalten alle Teilnehmer der Weiterbildungsmaßnahme ihren Job oder finden einen neuen Arbeitgeber. Ich drück uns alle Daumen für die letzte Prüfung und für die berufliche Zukunft.

Geschichte: Eine Forderung der Gerechtigkeit

100 Jahre Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH): Aus diesem Anlaaß gab Hamburgs Sozialsenator Dietrich Wersich am vergangenen Montag einen Empfang im Festsaal des Rathauses. Rund 250 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Vertreter der Blinden- und Sehbehinderten-Organisationen, BSVH-Mitglieder, -Mitarbeiter und -Spender waren dabei. Unter Anderem lauschten sie einer Reise in die Geschichte.

Heute ist Berufsförderung blinder und sehbehinderter Menschen ein wichtiges Vereinsziel. Der BSVH hat eine Fachgruppe, in der sich sehbehinderte und blinde Menschen austauschen, die viel mit Computern und im Büro arbeiten. Oder wir haben eine Gruppe der Physiotherapeuten. Vieles von dem, was uns heute selbstverständlich erscheint, mussten die Vereinsgründer vor 100 Jahren erst erstreiten. So verhandelten sie mit dem Medizinalamt, um Blinden eine Ausbildung zum Masseur mit anerkanntem Staatsexamen zu ermöglichen. Es gab zur damaligen Zeit in Hamburg drei Blinde, die „inoffiziell“ von einzelnen Ärzten ausgebildet waren, doch ließ man sie nicht zu einer staatlichen Prüfung zu. Dadurch wurden sie zu den Kurpfuschern gerechnet und fanden keine Anstellung und kaum das Vertrauen der Patienten. Der Vorstand bemühte sich um eine grundsätzliche Lösung und schrieb im März 1911:

„Der unterzeichnete Vorstand richtet namens des von ihm vertretenen Vereins an das das hochlöbliche Medizinal-Kollegium zu Hamburg die ergebene Bitte, blinden Masseuren Gelegenheit zu geben, die Berechtigung zur Führung der Bezeichnung „staatlich geprüfter Masseur“ durch Ablegung einer Prüfung zu erwerben, (…) Unter der beschränkten Anzahl der Berufe, in denen die Blinden einen Erwerb zu finden vermögen, ist die Massage eine der wenigen, in welchen ein Nichtsehender voll und ganz dasselbe zu leisten vermag, wie seine sehenden Berufsgenossen. (…) Es ist daher zu beklagen, daß es in Hamburg einem blinden Masseur nicht möglich ist, eine amtliche Anerkennung seiner Leistungsfähigkeit zu erlangen, weil durch die Verordnung von 1902 die Berechtigung zur Führung der Bezeichnung „Staatlich geprüfter Masseur „ abhängig gemacht ist von dem Bestehen einer Prüfung, die nicht nur die Massage, sondern zugleich den gesamten Heildienst, insbesondere auch die Wundpflege umfaßt.
Drei unserer Mitglieder versuchen hier in Hamburg ihr Brot als Masseur zu finden, sie sind in hiesigen staatlichen Krankenhäusern gründlich ausgebildet und geprüft und besitzen darüber Zeugnisse don den Herren Direktor Professor Dr. Schede, Professor Dr. Kümmell, Direktor Professor Dr. Derske. (…) Wir glauben, diese Bitte eine Forderung der Gerechtigkeit nennen zu dürfen, da unsere blinden Masseure sich nicht mit Wundpflege, sondern nur mit Massage beschäftigen können und wollen, und bereit sind, den Nachweis zu liefern, daß sie die von dem hochlöblichen Medizinal-Kollegium geforderte Qualifikation für diesen Beruf besitzen.“

Der Blindenverein hatte Erfolg. Heute arbeiten in Deutschland Hunderte blinde und sehbehinderte Masseure und Physiotherapeuten.

Mehr Infos zur BSVH-Geschichte gibt es auf der Homepage des Vereins.

April: Eine Bilanz

Vögelzwitschern, -gurren, -fiepen. Ein Hauch von Wind zieht über sonnig erwärmte Haut. Vier Beine huschen durch das Gras und springen in den Teich. Ich beneide den Hund. Er springt unbeschwert in jedes Nass. Von Grenzwerten und Umweltverschmutzung weiß er nichts. Ein zauberhaftes Lachen tanzt neben mir. Zarte Hände greifen nach meinen. Dieser April ist Glück, ist Zukunft. Flugzeuge rauschen über den Stadtwald. Fahrrad-Familien surren vorbei. Die Welt ist in Bewegung. Und meine Welt steht still. Eine Leidenschaft ohne Leiden ist die absurde Freude dieser Tage. Dieser April bleibt.