Die Funktion der Medien

Der Themenschwerpunkt des Seminars in Frankfurt hieß diesmal „Medienkunde und Medienarbeit der Public Relations“. Dabei ist eine fundamentale Frage die nach der Funktion der Medien. Welchen Blick haben einerseits Journalisten und Redakteure und andererseits die PR-Fachleute auf sie?

Wenn ich im Folgenden von Medien spreche, meine ich damit alle journalistisch betreuten Medien wie Zeitungen, Zeitschriften, TV-Programme, Radiosender und redaktionell betreute Web-Angebote. Ich spreche hier nicht von unmittelbaren, direkten Medien wie Blogs, Foren, Chat-Räumen.

Zunächst einmal sind Medien die Arbeitgeber der Journalisten und Redakteure. Für PR-Schaffende sind sie es nicht. PR-Schaffende arbeiten für Unternehmen, Auftaggeber und Agenturen.

Journalisten sortieren die Vielzahl an Ereignissen und Meinungen und bringen sie in eine für die jeweilige Leserschaft, Hörerschaft oder den Zuschauerkreis verständliche Form. Sie ffiltern die relevanten Fakten und informieren somit die Leserschaft usw. Zusätzlich bewerten sie die Informationen in Kommentaren. Journalisten und Redakteure gestalten die Medien. Sie bestimmen über deren Inhalt, politische, sprachliche und bildliche Ausrichtung.

PR-Schaffende haben diesen direkten Einfluss auf die Medien nicht. Sie können lediglich Informationen und Einschätzungen liefern, die die Journalisten aufgreifen können oder nicht. Für PR-Schaffende erfüllen die Medien mindestens zwei Funktionen. Einerseits sind sie eine Informationsquelle. Der PR’ler muss up to Date sein. Er muss wissen, was insbesondere die Themen angeht, die seinen Auftraggeber betreffen. Sprich: Wenn ich für einen Blinden- und Sehbehindertenverein arbeite, sollte ich mich in den Medien darüber informieren, was es an neuen Entwicklungen im Augen-medizinischen Bereich gibt. Ich sollte mich über Augen-Erkrankungen informieren. Mir sollten Entwicklungen in der Behindertenpolitik präsent sein. Wenn der Blinden- und Sehbehindertenverein in Hamburg arbeitet, sollte ich mich über die Hamburger Politik informieren, insbesondere über die Sozial- und Gesundheitspolitik. Nur so kann ich angemessene PR-Arbeit betreiben.

Hiermit sind wir bei der zweiten Funktion, die die Medien für PR-Schaffende haben: Sie sind eine Möglichkeit, mit der Öffentlichkeit in Kontakt zu treten. Die meisten Menschen erhalten ihre Informationen aus Zeitung, TV, Radio und Internet. Erst wenn die Anliegen und Informationen unserer Auftraggeber in den Medien auftauchen, nehmen die Konsumenten unsere Auftraggeber wahr. In der Regel haben PR-Schaffende nicht die Möglichkeit, in den Kommentar-Spalten der Zeitungen aufzutauchen. Sie liefern meist Informationen, die aber selbstredend die Bewertung unserer Auftraggeber zu bestimmten Themen beinhalten können.

Medien sind in der Regel der Aktualität verpflichtet. Journalisten versuchen meist so zeitnah wie möglich über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen zu berichten. Sie müssen daher flexibel auf die jeweilige Nachrichtenlage reagieren. PR-Schaffende können dagegen meist längerfristiger und strategischer arbeiten. Sie haben es eher in der Hand, wann sie mit welchem Thema an die Medien herantreten möchten. Nichtsdestotrotz müssen auch sie die Aktualität berücksichtigen, da es ihnen keine Veröffentlichung bringt, wenn sie versuchen, mit veralteten Infos und altmodischen Themen zu arbeiten.

Mal ein guter Bestseller

Nachdem meine letzte Bestseller-Lektüre eher eine Enttäuschung war, kann ich heute mal einen Bestseller empfehlen. Henning Mankells „Der Chinese“ ist ein intelligenter, spannender und bedrückender Kriminalroman. Auf eine Zusammenfassung der Handlung möchte ich hier verzichten. Nur soviel: der Roman verknüpft das historische Ereignis der Ausbeutung chinesischer Arbeiter beim Bau der US-amerikanischen Eisenbahn im 19. Jahrhundert mit einer Mordserie zu Beginn des neuen Jahrtausends in Schweden. Ich war zunächst skeptisch, hatte doch der Deutschlandfunk im Büchermarkt (Kritik nicht online) diese Verknüpfung konstruiert und unglaubwürdig genannt. Diese Kritik kann ich aber nicht teilen. So etwas kann nur ein Buchkritiker von sich geben, der nicht in historischen Dimensionen denken kann und Handlungsmotive ausschließlich in der psychischen Disposition der Akteure zu sehen vermag. Meiner Meinung nach ist Mankells aktuelles Buch natürlich konstruiert, aber sehr klug und aufrüttelnd, so wie man es vom schwedischen Autor gewohnt ist. „Der Chinese“ ist sicher nicht besser als andere Werke Mankells, aber ganz gewiss auch nicht schlechter. Und die ca. neunstündige Lesung von Axel Milberg ist von der ersten Sekunde an packend. Milberg liest so, dass man in jeder Szene, in jedem Wort, in jeder Silbe die Gefahren unserer modernen Welt erahnt – einem Mankell mehr als angemessen.

ICE-Menschen

Mitmenschen im ICE nach Frankfurt sind immer wieder eine Überraschung, zumal in der familiären Atmosphäre eines Sechser-Abteils. Drei dynamische Damen im Gespräch: „Ein Möhrchen zum Abendbrot reicht mir.“ „Ich brauch zwei Becher Kaffee und drei Zigaretten zum Frühstück.“ „Ich habe gestern ein Viertel Paprika eingefroren. Da hab ich Sonntag noch eine Gemüsepfanne zuhaus.“ „In Nagelstudios arbeiten nur schlecht ausgebildete Personen.“ „Ich wohne in Frankfurt im Hotel Hamburger Hof. Ich dachte, das klingt nach Heimat.“

In Hannover kommt der hessische Geschäftsmann mit reichlich Gepäck. Ein Gepäck-Stück fällt von der Ablage – auf eine der drei dynamischen Damen. Der Herr: „Darf ich Ihnen eine Salbe anbieten, die ich auf Reisen immer dabei habe, weil man sich dabei immer einmal verletzen kann. Ich hole Ihnen Eiswürfel aus dem Bistro.“

Schließlich noch der vietnamesische Loi, der seit sechs Wochen in Hamburg lebt. „Als Ingenieur für Schiffsbau finde ich in Frankfurt keinen Job. Im Juni gehe ich nach Shanghai – Chinesisch ist für mich einfacher als deutsch.“

Und der blinde PR’ler auf dem Weg zum Seminar: „Mein Handy spricht. Mein PC auch…“ Mal schauen, was die Rückfahrt am Dienstag so zu bieten hat.

Das müssen Sie gelesen haben

Welche zehn Bücher muss man meiner Meinung nach gelesen haben? Das fragt zurzeit eine Blogparade. Eine schwierige Frage, die ich vielleicht in einem Monat wieder ganz anders beantworten würde. Aber was soll’s?

  • Hermann Hesse: Demian. Damals im Deutsch-LK gelesen, ist es für mich elementar. Es ist wohl eines der klügsten Bücher, die ich kenne. Schöner und anschaulicher kann man Psychoanalyse nicht in Prosa verwandeln – außer vielleicht Hermann Hesse in „Narziß und Goldmund“.
  • Erich Maria Remarque: Im Westen nichts neues. Literarisch vielleicht nicht erste Wahl. Inhaltlich und in Sachen Eindringlichkeit aber ungeschlagen. Wer endlich alle Illusionen zum Thema Krieg verlieren möchte, der sollte das Buch lesen.
  • Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Klingt jetzt vielleicht stereotyp, aber „Faust“ ist zurecht ein Klassiker.
  • Nikolaus Lenau: Faust. Zu unrecht kein Klassiker ist die Faust-Fassung von Nikolaus Lenau, dabei ist sie so wundervoll düster und pessimistisch.
  • Nick Hornby: High Fidelity. Mal etwas leichtere Kost. Liebe, Pop und die Suche nach Glück in einem swingenden Schreibstil. Nach der Lektüre werden auch Sie beginnen, eine Laura fürs Leben zu suchen.
  • Thomas Mann: Buddenbrooks. Da ich an dieser Stelle nicht das Gesamtwerk des Meisters empfehlen kann, beschränke ich mich auf seinen berühmtesten Roman. Er handelt vom Untergang einer Kaufmannsfamilie und deren Eintauchen in künstlerische, philosophische und existenzielle Fragen des Lebens. Im übrigen grandios in der Hörbuchfassung, die vom einzigartigen Gerd Westphal gelesen wird.
  • Theodor Fontane: Stechlin. Selten habe ich bei einem vermeintlich schweren Buch soviel gelacht. Das launische Spätwerk Fontanes hat soviel geistreiche Komik, soviel Liebe zum Menschen und zum Brandenburger Land – ein Spitzenbuch für ein Herbstwochenende (gibt es übrigens auch von Gerd Westphal gelesen).
  • John Irving: Gottes Werk und Teufels Beitrag. Schön, wie Irving die großen Fragen nach Menschlichkeit und Liebe in die amerikanische Provinz stellt. Die Personen sind einfach zum Liebhaben, obwohl sie mir – begegneten sie einem im wirklichen Leben – wahrscheinlich schnell auf die Nerven gehen würden.
  • Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis. Physik, Philosophie und großartiger britischer Humor. Ich empfehle alle fünf Bände.
  • Herbert Marcuse: Der eindimensionale Mensch. Darf man heutzutage noch Marcuse empfehlen? Vielleicht ist nicht alles tragbar, was der Philosoph schreibt. Dennoch ist seine Konkretisierung der Kritischen Theorie mitreißend und anregend zugleich. Im Idealfall (sprich: bei dauerhafter Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit oder Lust am Denken) sollte die Lektüre durch die Schriften Adornos und Horkheimers ergänzt werden.