Mini-Cebit für Blinde und Sehbehinderte

Noch drei Wochen: dann ist Mini-Cebit. Die Messe im Louis-Braille-Center dreht sich rund um elektronische Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte. Und es ist wirklich erstaunlich, was es alles gibt: mit RFID-Chips gespickte Stadt-Pläne, die ertastet werden können. Tippt man mit einer Art Stift auf einen bestimmten Punkt, bekommt man angesagt, welche Straße oder welches Bauwerk hier ist. Tippt man nochmal, gibt es akustische Hintergrund-Infos z. B. zum Rathaus oder einer Kirche. Mehr Eigenständigkeit verspricht auch eine Software, die es ermöglicht, mit dem Handy Texte – z. B. Speisekarten – zu fotografieren und sie sich dann von einer synthetischen Sprachausgabe sofort vorlesen zu lassen. Ein weiteres Highlight auf der Mini-Cebit: sprechende Apple-Rechner – bisher sprechen nur Windows-PC’s wirklich zuverlässig und umfassend.

Dann versuch ich mal, unsere Messe in den Veranstaltungskalendern der Zeitungen und Radiostationen unterzubringen. Termine sind der 5. Juni (14.00-20.00 Uhr) und 6. Juni (9.00-16.00 Uhr). Das Louis-Braille-Center des Blinden- und Sehbehindertenvereins ist im Holsteinischen Kamp 26, in der Nähe der U2 Hamburger Straße. Es stellen rund 25 Aussteller aus ganz Deutschland aus. Die Mini-Cebit findet anlässlich des Sehbehindertentages statt.

Alle Infos (incl. Ausstellerliste): http://www.bsvh.org/news/51/37/

Zwei Hafen-Geburtstage

Hafen-Geburtstag ist eigentlich nicht so meine Welt. Zugegeben: auch ich hab mich schon mal mit Freunden durch die Menschenmassen drücken lassen, um ein Konzert zu sehen oder am Rande des alkoholisierten Treibens im Park Fiction einen Geburtstag zu feiern. Über eine Millionen Besucher auf engstem Raum, das ist trotzdem entbehrlich. Es hatte aber durchaus etwas, am Freitag Nachmittag mit der Fähre nach Övelgönne zu schippern und danach am Elbstrand zu sitzen: ständig fuhren Kreuzfahrt-, Container- und Segelschiffe an Sarah und mir vorbei. Die Hupen tönten mal hoch, mal vibrierend tief, mal kurz, mal lang. Salut-Schüsse donnerten über den Strand. Dazu schlugen die Elbwellen mal leise, mal laut ans Land. Und die Sonne rief: „Genieße das Leben!“

Noch eindringlicher tat sie dies am Samstag. Tante Trevor, Michi und ich fuhren mit dem Zug an die Ostsee. Das ist ein grandioser Vorteil, den Hamburg gegenüber vielen anderen Städten zu bieten hat: Man ist in eineinhalb Stunden am Meer. Schon als wir in Travemünde ausstiegen rochen wir die klare, leicht salzige Luft. Die Sonne strahlte auf unsere Creme-verschmierte Haut. Ein leichtes Lüftchen sorgte für Frische. An der Steilküste liefen wir nach Niendorf. Es war herrlich, dort barfuß durch den Sand zu stapfen und mit den Zehen den ersten Kälteschock am Meeresrand zu erleben. Aber nach knapp zwei Stunden Braten in der Sonne, mit der einzigen Sorge, wie rum man sich denn nun hinlegt, waren wir reif für das Meer. 16-19 Grad hat die Ostsee zurzeit. Und es war archaisch schön, das Meer auf der Haut zu spüren, unbeschwert herumzuplantschen und das Hier und Jetzt zu zelebrieren. Nur ein Mensch fehlte, dann wäre der Augenblick perfekt gewesen. Als Krönung noch ein frisches Krabbenbrötchen, einen Bummel über den Niendorfer Hafengeburtstag (nicht ganz so voll wie sein Hamburger Pendant, aber auch nicht ganz so ausgelassen), einen Spaziergang zum Timmendorfer Bahnhof und schließlich entspannt und zufrieden mit dem Zug nach Hamburg und mit zwei Flaschen Rotwein an die Alster. Als ich gegen Mitternacht nach Haus kam, war ich insgesamt gut neun Stunden unter freiem Himmel gewesen. Und ich habe den Verdacht, da gehört der Mensch auch hin.

The paradoxical commandments

by Dr. Kent M. Keith
People are illogical, unreasonable, and self-centered.
Love them anyway.
If you do good, people will accuse you of selfish ulterior motives.
Do good anyway.
If you are successful, you will win false friends and true enemies.
Succeed anyway.
The good you do today will be forgotten tomorrow.
Do good anyway.
Honesty and frankness make you vulnerable.
Be honest and frank anyway.
The biggest men and women with the biggest ideas can be shot down by the smallest men and women with the smallest minds.
Think big anyway.
People favor underdogs but follow only top dogs.
Fight for a few underdogs anyway.
What you spend years building may be destroyed overnight.
Build anyway.
People really need help but may attack you if you do help them.
Help people anyway.
Give the world the best you have and you’ll get kicked in the teeth.
Give the world the best you have anyway.
Quelle: http://www.paradoxicalcommandments.com
…Wenn das keine Philosophie für gelungene PR ist… (danke an Christian Anderegg für diesen Text-Hinweis)

Marburg, ein erster Eindruck

Es sind zweieinhalb Monate um, und ich bin wieder zu einer Schulung in Frankfurt. Davor: eine überraschende Einladung nach Marburg. Ein sonniges Frühlingswochenende mit einer Tretboot-Fahrt auf und einem wunderbaren Spaziergang an der Lahn, einem für norddeutsche Beine bemerkenswerten Aufstieg in die kopfsteingepflasterte, lebendige und dennoch ruhige Oberstadt. Auf dem Marktplatz gab’s noch einen amtlichen Fleischkäse im Brötchen. Ich liebe die Atmosphäre auf Märkten: der schnelle Wechsel der Düfte, das geschäftige Stimmen-Gewirr von Kunden und Verkäufern.

Eigentlich erstaunlich, dass ich erst jetzt einmal Marburg besuche. Die Stadt gilt als das deutsche Mekka der Blinden. Mit sieben Jahren hatte ich zum erstenmal das Wort Marburg gehört. Damals befürchteten meine Eltern, dass ich nach Hessen müsste, um als blindes Kind in die Schule gehen zu können. Und in der Tat war Marburg über Jahrzehnte die einzige Stadt in der Bundesrepublik, in der blinde Menschen Abitur machen konnten: auf der heutigen Carl-Strehl-Schule. Ich bin aber damals nach Hamburg gekommen, wo ich integrativ auch mein Abi machen konnte. Bedingt durch die Schule studieren auch überdurchschnittlich viele blinde Menschen in Marburg. Hier sitzen der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf sowie die Blindenstudienanstalt. Menschen mit Blindenstock gehören zum Straßenbild, alle Ampeln sind Signal-Ampeln, die Verkäufer scheinen einen Tick zügiger zu realisieren, wenn sie einen blinden Kunden vor sich haben. Das ist eine interessante Erfahrung für mich, aber kein Grund hier zu bleiben. Dafür gäbe es andere Gründe.